17. September 2021
Das tönt ja schon mal sehr gut. „Fuggerexpress“. Ich wähne mich schon in einem Prestigezug der Deutschen Bahn von Ulm nach Augsburg. Mindestens mit blauen Samtpolstern, Speisewagen und natürlich ohne Halt bis zu meinem Ziel. Die Realität zuckelt um 10.36 in Form einer profanen S-Bahn mit einem Vierer 1. Klasse Abteil daher. Bremsen quietschen. Aha. Wenigstens ist mein Interviewgast schon präsent.
11. September 2021
„Darf ich „Elisabeth“ zu Dir sagen?“ Ich spüre einen leichten Händedruck. Bejahend, die Geste. Zart. Imaginär. Denn meine Grossmutter Elisabeth Schätzthauer ist nicht hier. Oder doch? Wir sind uns nie wirklich nah begegnet. So ist es, wenn die Erinnerung nicht bis ins 2. Lebensjahr zuückreicht. Sie war alt und ich eine Spätberufene bezüglich meines Auftritts auf dieser Welt.
16. August 2021
Soeben hat Kaiserin „Ottavia“ die Affaire ihres Gemahls „Nerone“ aufgedeckt Ihr Sopran entlässt den stechenden Schmerz der Enttäuschung in Richtung Sonnenuntergang, der die Gemäuer von Schloss Waldegg in warmes Gelb taucht. Das Wetter ist dem Ensemble von Andreas Reize hold. Die antiken Originalinstrumente dürfen heute Monteverdis „Die Krönung der Poppea“ untermalen.
15. August 2021
Punkt 11.11 Uhr schreite ich vom Bahnhof her über die Kronenbrücke und damit bin ich hier eine willkommene Besucherin. Solothurn liebt „Elf“ oder nein ... bitte richtig aussprechen: „Öufi!“ 11 Kirchen 11 Stadtbrunnen 11 Hektaren Weingüter 11 Altäre in der Kathedrale St. Ursen Als 11. Kanton der Eidgenossenschaft beigetreten. Eine Uhr mit nur 11 Ziffern 11 wird hier zelebriert. Solothurn die Unbekannte. Was werde ich wohl entdecken?
07. August 2021
„Pssst....Silence, s‘il vous plaît. Die Damen Katharina Sophia Effinger und deren Tochter Sophie Effinger-von Erlach halten gerade Audienz im Salon hoch zu Schloss Wildegg.“
12. Juli 2021
Über den regennassen schiefergrauen Türmen von Schloss Schadau erbricht sich eine Wolke. Der peitschende Wind rollt wellend-knisternden Donner zwischen die ehrwürdigen Blutbuchen am Gestade.
13. Mai 2021
„Trudi sei Dank!“ Geschichten haben die Tendenz, sich zu wiederholen und in Sachen Genfersee, verfolgt mich permanent das Aussichtspech. Wann immer ich an den Gestaden erscheine, der Mont Blanc und seine bergigen Kollegen am Gegenufer machen frei und verziehen sich ins Gewölk.
08. Mai 2021
Die ehemals grösste Baustelle der Schweiz gibt sich futuristisch. Das Milliardenprojekt „The Circle“ am Zürcher Flughafen ruft anlässlich des Openings des Hyatt nach einer ersten Begutachtung. Nach monatelangem Konsumentzug führt, nein zerrt, mich mein ausgabebereites Portemonnaie in Richtung Shopping Mall und diese verzückt erst einmal mein architektonisches Auge.
05. April 2021
Es gibt diese Tage, die schon im Voraus das Besondere zelebrieren. Das Sinnliche. Sie sind nicht per se anders, aber meine Antennen sind geöffnet, sensibel. Wieder einmal bin ich zu einem meiner Herzensorte gereist. Der Bürgenstock präsentiert nirgends diese exotische Welligkeit wie von der Gartenterrasse des Vitznauerhofes aus.
17. Januar 2021
Ich sehne nach der Sünde. In diesen Zeiten des unfreiwilligen Puritanismus: Nach der ultimativen Sünde. Welches Freudeli ist uns denn noch geblieben? Es gibt sie. Sie, an die ich höchstens einmal im Jahr zu denken wage. Ich verstecke deshalb verstohlen meinen Kopf hinter dem bildlich bereits anzüglich in Szene gesetzten Angebot, schiebe die Karte in schwarzer-goldener Lederprägung noch etwas höher, so man mein gschämiges Erröten nicht bemerken möge.

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