Grachten und Gezeiten III

Nach dem Jubiläumsdinner und dem abendlichen Sieg der Schweizer Nati kämpfen meine Augenlieder noch mit der Schwerkraft. Zaghaftes Blinzeln. „Ui, wir haben abgelegt.“ 5.00 Uhr. Die Aussicht zeigt das IJsselmeer und den grossen Damm, dem wir entlangfahren werden. Monoton dröhnen die Motoren. Ich sinke in die Kissen. 


Zwecks meiner Wiedererweckung tröseln am Frühstücksbuffet einige Espressi in die Tasse und das am Tisch servierte Ei Bénédicte bringt mich ebenfalls auf Betriebstemperatur.

Bei Harlingen „beschifft“ sich die Pearl wieder auf holländisches Festland: Der Van Harnixma-Kanaal geleitet uns nach „Leeuwarden“. Ein blinder Fleck auf meiner bunten Geografiekenntnis-Karte. Die Stadtbesichtigung punktet mit Optik 

und Geschichte. 

Nicht ohne Stolz ist zu vernehmen, dass die königlichen Vorfahren der Geschlechter Oranje-Nassau sich hier besonders wohl gefühlt haben.

Endlich komme ich dem Orange der Niederländer auf die Spur. Das Geschlecht „Oranje“ hiess nur so, weil ein Adliger die kleine „Grafschaft Orange“ in der Provence geerbt hatte und demgemäss „Prins d’Orange“ genannt wurde. 


Die Oranjes taten sich mittels „selbstloser“ Heiratspolitik mit dem Geschlecht „Nassau“ zusammen. Geschaffen war die Erfolgskombi, auf der das Königshaus gründet. In der grossen Kirche wird noch weiterer Dynastientalk gepflegt.   

Da entdeckt mein zug-affines Auge einmal mehr in Holland auf einem Wandbild das Zuger Banner. Doktor Google kann mir helfen. Es gab in Holland Adelsgeschlechter, die eine solche Flagge benutzten.

Der Rundgang wartet mit weiteren hübschen Blickwinkeln auf. 

 Nun folgt noch Freizeit und das, was Reisen eben so faszinierend macht: Das Unerwartete.

Von einem Wassergraben umgeben, steht da dominant ein trutziges schlossartiges Gebäude. Das „Blokhuis“. Das Gefängnis für die richtig schweren Jungs ist heute umgenutzt. 

In den Zellen kann man übernachten, 

Eine Bibliothek lädt zur Geruhsamkeit ein. Shops, Handwerk, Cafés… und in den unteren Zellen kleine Pop Up Stores. 

Hier spricht mich Maartje an. „Ich biete etwas ganz Einzigartiges an“. Ich gucke auf die Auslage: T-Shirts, Magnete, Karten ect. Naja… aber sie schafft es doch, mich in den Laden zu locken. Es wurden die amüsantesten Minuten in Leeuwarden. Maartje verknüpft Bilddesign mit Software. Will heissen: Augmented Reality. Jedes stille Bild verbirgt einen Minifilm. Mittels eines QR Codes oder einer kostenlosen App und einem Mobile-Phone, kann man das Geheimnis entlocken. Ich habe mich für die Ansichtskarte des Blokhuis (altes Gefängnis) entschieden.

Der Link oben (grün) führt auf den Shop der Webseite. Da unter „alle Designs“ zum Beispiel das Gefängnis  (Ansichtskaart) anklicken und sich überraschen lassen.

Maartje präsentiert hier ein ganz spezielles Kunstprojekt und ist die einzige, die solche Produkte in den Niederlanden anbietet. 

Ich wäre nicht überrascht, wenn sich die Idee ausbreiten und weiterentwickeln würde! 

Gleich gegenüber dem Laden fällt mir noch ein seltsames Gebilde auf. Es ist ein Wasserhahn, an dem sich die Gefangenen die Hände waschen konnten. Sie erogenen Hügel sind allesamt streichelglatt!! Es braucht keine Erklärung oder?


Leeuwarden wird mir sicher in Erinnerung  bleiben, vor allem mit:


Einer unterhaltsamen Stunde im Knast.

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