„Gezelligheid kent geen tijd“.
Diesen Satz mit:
„Geselligkeit kennt keine Zeit“
zu übersetzen, wäre zu simpel. Die „Gezelligheid“ ist niederländisches Kulturgut.
Es ist nicht nur Party gemeint, zusammen anstossen oder einfach nur plaudern. Ja, das findet hier üppig statt. Zusammensitzen, ein Becher, ein paar Snacks. Vor Haustüren, an Quaimauern. Kollektives Zeit verbringen.
Jedoch: Das Wort floatet auf einer viel diverseren Wellenlänge. Es gehe in Richtung: Atmosphäre, Good Vibes …Entspanntheit … vielleicht unübersetzbar … aber erlebbar.
Zwischen Amsterdams Prinzen- Herren- und Kaizergracht mache ich mich auf, das holländische „Vavoir Vivre“ zu erspüren. Ganz wichtig: Kein Plan… kein Muss … keine to Do Liste.
Und so kommt es, dass dieser Text keine Logik hat… Ich und meine Kamera… wir lassen uns treiben…. fangen Momente.
Das erste AHA lässt nicht lange auf sich warten. Nichts ahnend von der Berühmtheit des Gebäudes, checke ich ins Hotel Estheréa (UNESCO Welterbe) ein. Die Lobby nimmt meine Sinne mit einem einmaligen Ambiente in den Arm.
Von aussen nichts Auffälliges. Ein typisches Amsterdam-Haus. Aber kaum eingetreten, finde ich mich im Lüster- und Tapetenrausch.
Die mit Facettenschliff geadelten Glasteilchen tropfen palästral von der Türkisdecke. Und als wäre das nicht genug, kokettieren Lampenschirmchen in Vanille-Plissé über dem Gefunkel.
Elfenbeinfarbene Pfingstrosen erblühen neben ornamentalem Gold. Die „tijed“ (Zeit) zerfliesst auf der Tapete.
Die Linse meiner Kamera schwebt im fotografischen Nirwana. Ist das vielleicht Gezelligheid, dass ich mich dieser Begeisterung hingeben darf?
Ich muss und will nicht ein Foto wählen für den Blog. One more… two more… einfach, weil mich diese Ansichten glücklich machten.
In diesem nostalgischen Setting erinnere ich mich gerne an den Ausflug mit meinem Vater nach Amsterdam. Ich hatte Geburtstag 16. oder 17. Er lud mich auf eine Dinnercruise ein. Es war ganz traumhaft. Die Stadt entfaltet von den Grachten aus ihren ganzen Charme.
Und überall (zumindest im Touristengürtel) feiern Menschen das Leben. Ab und zu schwappen süssliche Duftnoten durch die Gassen.Hanf und Co sind nicht meins. Braucht es das für eine High-Time?
Es dämmert. Sonnenlicht flutet zum Farewell des Tages nochmals die Kanäle.
Amsterdam zieht sein Abendkleid an, schmückt die Brücken mit Lichterbordüren. Im lackschwarzen Wasser funkeln die Reflexe. Die Dunkelheit verschluckt die dirty Ecken.
Gläser klingen an Bord… wie damals auf der Tour mit Papa… wunderbare Memories …. ist das auch Gezelligheid?
Sicher finde ich Sie in den Gaststätten. Unterschiedlicher können sie nicht sein. Im Café Luxemburg mit Vintage Flair kann ich sie still beobachten.
Man sitzt auf geflochtenen Bistrostühlen, ein älterer Herr vertieft sich in (noch) haptische Tageszeitungen.
Freunde treffen sich. Kissing links und rechts… Bubbels oder Bier… Blick auf den Platz … Gelächter und Gespräche plätschern…..
oder man reserviert im SIREN… einem der angesagtesten Restaurants. Im schumrigen Licht erhebt sich überlebensgross die namensgebende Nymphe.
Obwohl sie von Plüschsesseln, Deckengemälden und loungigem Jazz umschmeichelt wird, guckt sie nicht schön aus ihren feurigen Augen.
Meint sie, ich wolle ihr den Kaviar streitig machen, der lustvoll am Eingang präsentiert wird?
No panic… habe die Kügelchen nie gemocht und entscheide mich für Blue Fin Tataki.
Die Gezelligheid stellt sich definitiv mit Kellner „Sir“ ein. Er schwärmt von seiner Stadt Alkmaar und versorgt mich mit nützlichen Tipps. Der glatzköpfige Chef hat auch noch Zeit für ein Gespräch… sehr viel Zeit. Was ihn antreibt…. Und ja ein drittes Lokal mit dem gleichen Konzept sei in Planung.
Nicht vorbei komme ich an der Werbung für MOCO! Überall rosa Plakate. Eigentlich wäre Van Gogh angesagt. Tolles Museum… 1000 Gemälde…. aber sorry Vinzenz:
Das Unbekannte lockt. MOCO.
Ich erwarte ein hippes Gebäude…. und lande in einer alten Villa ebenfalls am Museumspleijn. Für alle, die meinen, man könne aus einer alten „Hütte“ nichts machen: 610‘000 Besucher jährlich. Das Haus kommt daher, als hätte man die Kunst einfach hier aufgehängt. Schiefe, knarrende Treppen. Kleine Zimmer.
Die meisten Werke sind auch nicht Originale, aber was die Künstler für eine Message haben…. das bringt mich zum Denken… ins Zwiegespräch… in Gezelligheid mit gar nicht Anwesenden.
Bansky provoziert…
Robbie Williams spricht über seine Depressionen…
Kusama lädt in ihre Welt ein.
Im Sous Terrain wartet schließlich noch eine interaktive Welt aus Farben und Spiegeln.
Sie bringt Gezelligheid mit mir selber. 10x ich auf dem Kopf. Und schliesslich der Blick nach oben.
Sehe mich in anderer Optik.
Hey … ich schwebe! Ich und Ich mit mir… having fun time.
Mein persönliches Fazit zu „Gezelligheid“:
Augenblicke des unbeschwerten Wohlgefallens im Austausch mit andern und sich selbst.
Amsterdam bietet ein ganzes Kaleidoskop solcher Momente.

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