„Isch da öppä öppis los?“ mögen sich Neugierige denken, die vorbeispazieren. Im lauschigen Garten des Hotels Löwen tut sich tatsächlich in diesen Minuten Emsiges.
Die Musikkollegen des Kunst-Schmiedemeisters Franz Koster schicken mit Sax, Trompete und Co. souligen Grove durch die Blätter der alten Platane. Champagner, edler Weisser und Aqua Naturale tauchen in grosse silberne Eiskübel ab. Wasserperlen funkeln an Flaschenhälsen. Gluschtige Zvieriplättli gehen auf den Metalltischen in Position.
Vorfreude liegt in der Luft.
Das knirschende Kies verrät:
„Die Gäste kommen“.
Beim Anblick der sommerlich eleganten Tenues hüpft mein Modeherz. Sie&Er haben sich herausgeputzt. Indigoblauer Seidentaft, floraler mintgrüner Tüll, das kleine Rote und die glänzende Stickerei. Ihr Auftritt jauchzt:
„Es darf gefeiert werden!“
Ein erfrischendes Windlein säuselt zwischen den Laternen, die sanft an den gespannten Seilen schwingen. Hier in Gonten ist es zum Glück immer etwa 5 Grad kühler als im Flachland.
Unter dem Sonnenschirm erspähe ich die Protagonisten des heutigen Anlasses. Jan Schoch und Hans Rhyner stehen da, die Szenerie beobachtend. Ein feines Lächeln umspielt ihre Mundwinkel. Das sind diese kurzen stillen Momente, die nur Dir gehören, wenn etwas ganz Ambitioniertes in Deinem Leben geschafft ist. Die Vision brachte den Owner und Inspirator des Appenzellerhuus (Jan Schoch)
und den Schweiz weit bekannten Kellermeister (Hans Rhyner) vor 5 Jahren zusammen und heute, am 18. Juni 2026, ist es soweit:
Der grösste Weinkeller der Schweiz wird im Resort „Appenzellerhuus“ im 5 Sterne Hotel „Quell“ eingeweiht.
Inzwischen klingen die ersten Apéro Gläser, angeregte Gespräche unter Freunden, darunter nicht wenige Menschen, die das Who is Who der Schweizer Wein-und Gastroszene repräsentieren.
Mit kurzweiligen Worten leiten die Gastgeber zum Höhepunkt über:
So, jetzt gömmer alli in Chäller u tüend en iisägne“.
Als „Special Guest“ und Botschafter der önologisch-divinen Oberaufsicht, wartet der allseits bekannte Zirkuspfarrer, Ernst Heller, bereits auf uns. Seine bunte Stola stimmt auf den anstehenden Abend des Genusses ein.
Selbstverständlich hat der segenspendende Ernst, das Alte Testament zur biblischen Meinung punkto Weinkultur befragt: Die Antwort im Buch Sirach zum Thema „Weingelage“ ist höchst beruhigend:
„Was ist das Leben, wenn der Wein fehlt? / Er ist geschaffen zur Heiterkeit des Menschen.
Fröhlichkeit des Herzens und Heiterkeit der Seele / bringt der Wein, zur rechten Zeit und maßvoll getrunken.“
Das Wywasser (Nomen est Omen?) spritzt in feinen Tröpfchen. Der göttliche Schutz sei mit allen, die im Banne der Weinkultur hier zusammenfinden, sich austauschen und geniessen.
Auf geht es zum Rundgang, der mit dem Champagnerkeller eröffnet wird.
Rund 350 (Fernziel 700 Sorten) verschiedener Provenienz warten hier auf ihre prickelnde Overtüre.
Symbolisch wurde heute auch das letzte Detail des Caves am grossen Seau à glace (tönt eben auf Français schon edler als Eiskübel): Eine elegante Traube.
Weintastisch begeistert, wandeln wir danach auf 350 qm durch die Welt der feinen Weissen
und der grossen Roten, wobei Hans Rhyner durchblicken lässt, dass hier kein Etiketten-Kult betrieben werde. Credo ist: „Zahlbare Qualität… und es ist nicht immer der hochgepunktete Spitzenwein, der Deinen Gaumen verführt, sondern derjenige, der Deiner individuellen Persönlichkeit und Präferenz schmeichelt.“
Wir gehen auf Entdeckungstour. Jeder und jede erspäht eine Trouvaille oder eine mit Emotionen verbundene Flasche. Ich finde meinen Liebling:
„Chateâu-Pichon Longueville Comptesse de la Lalande“.
Zwischen den Gestellen wird natürlich ausgiebig gefachsimpelt und geschwärmt. Eine Stimme ruft irgend einmal: „Das Gourmet-Essen wartet, aber schaut Euch noch das grosse Fass an!
Neben privaten Weinkeller-Führungen, kann man nämlich auch privé mit max. 10 Personen unter den bömischen Tropfenlampen im zwei Etagen hohen Fass tafeln.“
In der Bärenstube wartet Michael Gollenz auf die illustre Gesellschaft.
Der neue Küchenchef weist ein, hohe Erwartungen weckendes, Palmares auf u.a. der Widder in Zürich und das Schäfli im Thurgau.
Es war so delikat, wie es aussieht.
Der grösste Weinkeller der Schweiz ist somit für eine grosse Zukunft mit dem göttlichen Segen ausgestattet.
Es war eine Sternstunde des Genusses und der Freundschaft.
In vino gaudium est.
Im Wein ist Freude.


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