Es ist diese Spannung, die mich am Reisen so fasziniert. Du siehst ein Land auf dem Globus, der Entschluss reift.
Bilder, Buchung, Touch down.
Der Flughafen der Hauptstadt Manama glänzt wie aus der Meister Proper Werbung. Strahlend weiss, fast leer, ruhig…. und dann sehe ich als erstes etwas, was ich in diesem islamisch regierten Staat … axgüsi... Königreich… überhaupt nicht erwartet hatte: Starbucks und Mc Donalds an prominentester Lage unmittelbar nach der Gepäckausgabe.
Ist es ein Statement: „Hallo, da draussen… wir sind anders“?
Nächste Überraschung: Am Steuer des Taxis sitzt ein Bahraini und nicht ein asiatischer Migrant. „Wouw Switzerland, Tourist!“. Er ist so was von begeistert. Westliche Besucher scheint ein Hauch von Exotik zu umwehen. Und weiter geht‘s. Im Four Seasons schlägt Ahmed, der Concierge im Scheichgewand, fast Purzelbäume. „Oh, you’re living near Lucerne! Love it! My second home!“
Da habe er zwei Jahre mit der Familie gelebt und die Hotelfachschule besucht.

Ahmed fasst gleich die Aufgabe, einen privaten Tagesausflug zu organisieren. Natürlich soll es wieder einmal eine der bekannten Francesca-Touren werden. Ganzes Land in 8 Stunden samt Lunch.
Des nächsten Morgens ist sofort klar, wer sich in der wunderschönen Lobby finden darf. Hussein im traditionellen Outfit hat mein Blondhaar anfokussiert und winkt verbindlich.
Yalla, wir starten Richtung „Große Moschee“. Hussein blickt mich an: „Beim Eingang werden Umhänge (Abayas) abgegeben und Kopftuch bitte!“
Damit begibt sich Hussein gleich selber proaktiv auf heikles thematisches Gelände. Die Kleiderordnung. Doch es wird relaxter als gedacht. Prinzipiell sollten Männer sowie Frauen keine körperbetonten Kleider zur Schau stellen. Deshalb tragen auch Männer oft die langen Gewänder. Auch zuviel Haut wird nicht gern gesehen.
Für Männer sind ebenfalls lange Hosen, Hemden mit längeren Ärmeln angezeigt. Frauenkleider sollten weit geschnitten sein. Weiteres lasse sich religiös nicht ableiten (ausser in der Moschee das Kopftuch). Leider würden aber diese Vorgaben von einigen arabischen Stämmen extensiv ausgelegt, was zu Verhüllungstraditionen führe.
In Bahrain sei man weltoffen. Du kannst herumlaufen wie Du willst. Aber man sollte sich schon fragen, ob nicht eine minimale Anpassung (etwas mehr Stoff) an die Gepflogenheiten eines Gastgeberlandes das Richtige wäre.
In der Grand Mosque findet für Gäste ein kleiner Rundgang statt. Ein gütig blickender Herr 70 + spricht über Gebetszeiten und andere interessante Details. Das Gebetshaus (sunitisch) ist eher schlicht gehalten.
Hussein wartet ausflugsfreudig draussen. Ich wollte unbedingt auf die Ölfelder. Wir lassen die Skyline von Manama links liegen. Die Fahrt zieht sich:
Zeit für ein paar Fakten, die ich selber recherchiert habe.
Bahrain, ein Insel-Ministaat (780 Km2) liegt westlich von Katar. Die beiden Länder sind nicht gerade best Bodies. Diplomatische Beziehungen gab es erst wieder ab 2023. Seit 2017 schwelten territorische Meinungsverschiedenheiten, die durch den internationalen Gerichtshof entschieden werden mussten. Bahrain konnte Inseln, nur 1.4 km vor der katarischen Küste entfernt, behalten, wollte aber auch noch etwas Festland, wobei es in diesem Punkt unterlag. Also zwei Unzufriedene, die miteinander doch zurechtkommen müssen, denn ihr gemeinsames Interesse ist das Öl und dessen Vermarktung. Dies nötigt Konkurrenten zu Allianzen.
Da… in der Ferne… sehe ich die Ölfelder… wie im Film. In der ockerfarbenen Einöde, bewegen sich die Pumpen im monotonen Trott. Rauf runter… rauf runter. Lautlos, langsam unentwegt.
Schlanke, hohe Kamine recken sich in das trübe Grau-Blau. Sie scheiden giftige Gase ab, die in einer lodernd wehenden Feuerfahne abgefackelt werden.
1931 hat man in Bahrain das erste Öl gefunden. Wir stoppen an der geschichtsträchtigen ersten Ölquelle, die alles veränderte. Aus Perlentauchern wurden Ölmagnaten.
Geschäftstüchtig schiebt Hussein nach: „Also nach Perlen kann immer noch getaucht werden. Ich biete solche Touren an. Ohne Gewand und Scheichtuch (grinst). Gerade vorgestern hat eine Dame im seichten Wasser eine Auster mit Perle gefunden. Für Taucher und Abnoetaucher haben wir auch interessante Angebote.“
Auf dem Rückweg in die Stadt wartet der Formula 1 Circuit. Am 10.4. 26 kommt die Tour zu uns. Tickets habe ich schon!“, meint mein Führer und strahlt.
Voller Stolz pflanzt sich Hussein mit mir vor dem VIP Turm des Kings auf. „Da verfolgt unsere Royal Family zusammen mit Gästen das Geschehen.“
Bevor wir nach Manama zurückkehren, schauen wir noch bei einer Kamelfarm vorbei. „Hussein, was ist ein schönes Kamel für Dich?“
„Es muss lange Augenwimpern haben!“
Hier ein kleiner Beautycontest.
In der Altstadt von Manama endet der erste Teil der Touristiktour mit dem Besuch des ältesten Restaurants.
Es wird fein und grosszügig aufgetischt.
Es geht in Richtung Safranreis und Curry.
Und ich finde auch die Wanddeko interessant.
Der Nachmittag wird ebenfalls spannend werden.
Wait and see!
