Das Studium der Ausflugsbroschüre schürt durchaus diverse Begehrlichkeiten. Zum Beispiel Stargazing in den Dünen, der Besuch des fantastischen Binnenmeeres Kor al Udaid, wo sich das Meeresazur mit Puderdünen verabredet.
Leider ist beides nur mittels Dunebashing zu machen. Dabei wird den Jeeps viel Luft aus den Reifen gelassen und danach folgt ein Adrenalinritt auf den Sandhögern. Rauf runter… rauf runter…Schläge in den Rücken und überall inklusive. Ich hatte das vor gut 15 Jahren in Dubai gemacht. Es war lustig. Aber mit Rücksicht auf mein Gstellage doch lieber no Risk.
Also zurück zu Plan A: Land und Leute kennenlernen.
In der Retrospektive bestand „Leute“ ausschliesslich in der Person von Ali und „Land“ weitgehend in 350 Km Wüstenstaub. Aber Halt. Wer jetzt denkt, „das wird langweilig“…. falsch.
Und das Finale bot Einzigartiges.
Meine Wahl: Eine Kleingruppentour rund um die Halbinsel. Ali fährt vor. Schon bald lassen wir die Hochhäuser hinter uns. Es wird dusty. Die 5-spurige Autobahn durchschneidet die Kargheit.
Die zahlreichen Strommasten verleihen dem Nichts beinahe skulpturale Präsenz.
In der Nähe des Städtchens Al Khor grünt es plötzlich. Ein Mangovenpark ist der ganze Stolz der Region. Die resistenten Kleingehölze können im Salzwasser überleben und sind ökologisch von grosser Bedeutung.
Auf einzelnen Ausflügen wird auch Kajaking angeboten.
Der Kompass zeigt weiter zur Spitze der Halbinsel.
Ein verlassenes Minidörfli an traumhafter Lage wird gerade vom Staat renoviert.
Unterwegs legt Ali einen Stopp bei einer Snack- und Burgerbude ein.
Der heisse Karak, ein Tee mit Kardamon und Zimt löst auch Alis Zunge. Er sei einer der ganz Typischen hier. Ausländer, Pakistani. Man arbeite hier, um zuhause die Familie zu ernähren. Höchstens 1x im Jahr fliege er zu den Liebsten. Die Krankenkasse sei gratis, aber mit 50 muss man das Land verlassen. Solche Geschichten höre ich auch von diversen Hotelangestellten, Taxifahrern ect.
Weiter geht die Reise zum Fort an der Küste. Der rötliche Lehmverputz leuchtet.
Ein kleines Museum erzählt von den Perlentaucherzeiten.
Die weissen Punkte markieren die Vorkommen von Perlen. Mit der Erfindung der künstlichen Perlen um 1938 durch die Japaner brach die Industrie zusammen.
Es folgt eine längere Fahrt und ich bin sehr gespannt.
Die „Pilze“ warten auf uns; sie sind Besuchermagnete. Wir gelangen in ein Gelände, auf dem sich plötzlich Felsen erheben.
Der Meeresspiegel stand vor Millionen von Jahren Oberkannt und hat sich nach unten gefressen. Härtere Gesteinsformationen blieben in skurielen Formen zurück.
Ali weiss natürlich, dass das jetzt, wo die Sonne schon tiefer steht, ein Traum sein wird. Und wie. Von jedem Blickwinkel aus, interpretiere ich die Moschrooms anders.
Ein Pilz?
Eine Sphinx?
US Nationalpark?
Wir wandern und fahren. Ein Naturwunder. Ganz herrlich.
Ali winkt. Was schon Aufbruch?
„Yalla, Kunst in der Wüste“. Ich weiss, was jetzt kommt. Ein paar Stahlplatten im Nowhere. Ich bin semibegeistert.
Na dann eben.
Wie konnte ich nur so denken. Die Skulpturen, 4 Roststehlen, die in einer Linie von einem Kilometer stehen, mutieren zu meinem persönlichen Highlight der Tour. Der Künstler Richard Serra schafft magische Momente.
Ich steige aus dem Auto und sehe vorerst, was ich erwartete. Himmel blau, Rost rot.
Aber danach wandere ich hinter die Säule und drehe mich. Eine unerwartete Interaktion beginnt. Diese Reduziertheit von Werk und Landschaft nimmt mich gefangen.
Sie macht etwas mit mir. Ich weiss nicht was. Ich muss spielen. Mit meiner Position. Einen Schritt nach vorn, einen zur Seite.
Die Halloringe des untergehenden Feuerballs, der mit fahlem Horizont-Grau zu verschmelzen scheint, tauchen die ganze Umgebung in gedämpftes Leuchten.
Das nun im Gegenlicht schwarze Eisen, dessen Kannte die Strahlen bricht, wann und wo ich es will, berührt meine Sinne. Meditativ.
Gut, dass die letzte Station wieder einen sehr realen Kontrapunkt setzt.
Auch auf der Kamelrennbahn nähert sich der Feierabend.
Die Wüstenschiffe sind des Katar-Kings grosser Stolz. 7 Jahre lang werden sie hier trainiert. Mit 40 - 65 Km/h hasten sie, voll ausgebildet, über die staubige Strecke und können als Champion Verkaufspreise von mehreren CHF 100 000 erreichen.
Für heute ist jedoch Schluss mit Tempo. Gemütlich schaukeln sie mit ihren Reitern an mir vorbei Richtung Stall. Sie setzen einen eleganten Gang auf, ihre Hälse wiegen stolz nach vorn und hinten, als wollten sie sagen: „Wir sind was ganz Besonderes, wir sind Winner!“
Ali fährt zurück zum Hotel. Aus dem Fenster des Jeeps: Ein letzter Orient-Moment.
Qatar Outback. Ich erwartete nichts und fand Schätze in der Wüste.

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Martino (Sonntag, 11 Januar 2026 20:27)
Wie immer: sehr schön, aufschlussreich und interessant, danke! �
Ueli (Sonntag, 11 Januar 2026 23:43)
Von allen Schiffen ist das Wüstenschiff das Geländegängiste. Schöne Reportage!
Irmgard (Montag, 12 Januar 2026 07:01)
Wie immer eine sehr eindrückliche Reiseerzählung. Ich fühlte mich „mittendrin“ mit allen Sinnen. Ich habe auch viel Neues gelernt.
Ge (Montag, 12 Januar 2026 08:38)
Das Bild mit den 3 Stelen ist wunderbar.
Albert Müller (Montag, 12 Januar 2026 10:44)
Das "Kamel-Verbot" - Zeichen könnte - bei so vielen Kamelen - auch in Zug angebracht werden...
Rena de la casa (Mittwoch, 14 Januar 2026 22:07)
Die Wüste schenkt dir noch Augenblicke des Staunens:
Bewahr sie dir!
Gracias, Francesca.