Im Reich des Anubis

Nun werden wir Zeugen, wie eine irdische Kreatur, deren Lebenskreis sich geschlossen hat, an die Himmelspforte klopft. 

Anubis, der elegante Schakalgott und Beschützer der Toten öffnet schweigend. Sein Reich ist die Zwischenwelt „Duat“. Er geleitet den Ankömmling zu einem Schrein, auf den es sich zu legen gilt und Anubis beginnt mit der Mumifizierung des Körpers, welche unabdingbar für ein Leben nach dem Tod ist. Nach rund 70-tägiger Prozedur unter Einsatz von Salzen (Natronbad) und Einreibungen mit Wachsen und Ölen, ist der Aspirant bereit, die Reise durch den Duat anzutreten. 

Bleibt nur zu hoffen, dass er/sie sich zu Lebzeiten sorgfältig und genüglich auf diesen Weg Richtung Paradies vorbereitet hat, und zwar materiell und mental. 

Die Wanderung zur Glückseligkeit wird nämlich gespickt mit Prüfungen, die es zu bestehen gilt und zusätzlich lauert allerlei Ungemach, das zu überwinden wäre, um den Göttern zu beweisen, dass hier eine rechtschaffene Person um Einlass ersucht. Diese Jenseitsvorstellung dominierte denn auch das Denken und Handeln der alten Ägypter im Diesseits. Das erste Ansinnen war, eine vor Räubern sichere Grabkammer erbauen zu lassen. Da die Pyramiden viel zu auffällig waren (die meisten wurden ausgeräumt), wechselte man auf das Reduitprinzip. An abgelegen Orten wurden unterirdische Gänge und Kammern gegraben, die später nach der Beerdigung zugeschüttet wurden und geheim bleiben sollten.

Bis es soweit war, blieb (hoffentlich) Zeit, materielle Güter aller Art in die versteckten Orte zu bringen, um eine erfolgreiche Durchquerung der Zwischenwelt sicherzustellen.


Von einbalsamierten Esswaren, Waffen, Möbeln, Kleidern

bis zu ganzen Schiffen. Ergänzt mit Schutzsprüchen und Büchern. Für jeden Tag des Jahres eine Figur, die einen Diener symbolisiert. 

Der  Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Der „Walk of Fight“ kann -  so ausgerüstet - als Mumie beginnen. Es warten Stürme, Dürren, reissende Flüsse, 

Giftschlangen, Krokodile, 

Raubtiere, Angreifer und weitere Hinterhältigkeiten. Wer das „überlebt“, gelangt zum grossen Gericht. 

Drei Richter heben das Arch Zeichen
Drei Richter heben das Arch Zeichen

42 Richter sitzen bereit und jeder stellt eine Aufgabe. Besteht der Proband eine Prüfung, zeigt der Judikus dies mit der Erhebung des Lebenszeichens „Arch“ an.

In der Regel ist sich der Supreme Court jedoch uneinig über die Gesamt-Performance des Prüflings und es wird das finale Verfahren der „Herzwägung“ angeordnet. Anubis organisiert und führt diese durch. Dabei wird das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Wahrheit aufgewogen. Ist das Herz schwerer als die Wahrheit: Game over, ein gefräßiges Krokodil freut sich auf einen guten Happen. Wiegt das Herz gleich viel wie die Feder, gilt das Herz als rein und gut. Dem Weg ins Paradies steht jetzt nichts mehr im Weg. 

 

Anubis begleitet den Erfolgreichen zu Gott Osiris,  dem Regenten des Paradieses und des sorgenfreien ewigen gottgleichen Lebens. 


Die Transformation ist geglückt. 


Dieses Idealszenario war allerdings den Wenigsten vorbehalten. Es ging wie so oft um Geld. Nur die oberen Schichten konnten sich eine aussichtsreiche Preparation für das Jenseits leisten.


Aus Funden weiss man, dass eine regelrechte Begräbnisindustrie florierte. Klar, dass vor allem budgetorientierte Lösungen im Angebot waren. Weniger guter Platz des Grabes, schlechtere Mumifizierungstechnik, billigeres Material (Gips statt Gold), weniger oder keine Grabbeilagen. 


Die meisten mussten sich sowieso mit der Nullvariante abfinden und endeten im Wüstensand. Ewiges Leben: Vergiss es.


Die Elite konnte je nach finanziellen Möglichkeiten buchen:


Eco 

Business

First


Was wir heute bewundern dürfen, ist mehrheitlich „First“ und war nur den Königen=Pharaonen vorbehalten. Die schönsten erhaltenen Gräber befinden sich in Oberägypten.


Damit ist beschlossen:


Ich fliege nach Luxor und bin gespannt.


Wait and read…

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Kommentare: 7
  • #1

    Jacqueline Tong Bircher (Samstag, 15 November 2025 21:17)

    Das ist ein ganz toller Beitrag.
    Vielen lieben Dank dafür, Francesca

  • #2

    Werner Weber (Samstag, 15 November 2025 21:51)

    Liebe Franziska
    Das ist eine verrückte und spannende Geschichte, die du uns erzählst. Luxor lässt grüssen.
    Danke herzlich
    Werner

  • #3

    Rena de la casa (Sonntag, 16 November 2025 12:54)

    Sagenhafte Vorbereitungen der Pharaonen für ein ewiges Leben im Paradies, immerwährender Wunsch
    vieler Mächtigen.
    Wer weiss, heutzutage ist’s erfüllbar mit ‚Deals‘?
    Danke fürs Teilen, cara.

  • #4

    Noeli (Sonntag, 16 November 2025 13:59)

    So faszinierend und von überwältigender Schönheit.

  • #5

    Albert Müller (Sonntag, 16 November 2025 20:41)

    Herzlichen Dank für den Einblick ins Reich des Anubis, und nun wünsche ich dir wunderbare Eindrücke in Luxor!

  • #6

    Rena de la casa (Dienstag, 25 November 2025 09:12)

    Reichtum - Macht - Gier -Begierde - ewiges Leben: Wunschdenken der heute Mächtigen?

  • #7

    Ursula Tandler (Montag, 08 Dezember 2025 07:18)

    Liebe Franziska
    Herzlichen Dank, dass du uns teilnehmen lässt an deinen historischen „First“ Einblicken! Spannend und nicht KI generiert ;-)
    Liebe Grüsse Ursula