Weltwunder

Lucky me. Swiss Flug LX 238 legt sich über der diesigen Luft der Stadt in die Kurve. Ein Meer aus Sandgelb, geschundenen Häusern, Wüstenflächen… ich versuche in dem Beige in Beige, die Details wahrzunehmen. 

Cheops und Chefren mit GEM im Hintergrund oberhalb der linken Pyramide
Cheops und Chefren mit GEM im Hintergrund oberhalb der linken Pyramide

Aber hallo. Beim zweiten Blick. 

Ich glaub es nicht. Die Pyramiden direkt an der Anflugroute (Sitzseite links). Eine kleine Ergriffenheit schmiegt sich an mich. Was war das für ein jahrelanger Chnorz. Es ist mein 4. Versuch, das einzig noch existierende Weltwunder in natura zu sehen. Et voilà. Als hätte ich es besonders verdient, grüssen mich nun die Kult-Ikonen bereits, ehe ich den Boden erreiche. 

Die Besichtigung aus der Nähe wird erst übermorgen stattfinden…. dachte ich. Der Plan der ägyptischen Götter ist ein anderer. Drei Tage vor Abflug, erbat ich die Reiseleitung, Tickets für das brandneue Grand Egyptian Museum (GEM) zu besorgen. Was für ein Heuler. Die Eröffnungsfeier am 1. November ging um die Welt. 20 Jahre Bauzeit. Niemand glaubte eigentlich nach x Verschiebungen so richtig an ein kurz bevorstehendes Opening. 

Mohammed, der mich am Flughafen abholt, setzte einen traurigen Dackelblick auf. „Äh jaaa das Museum… Schwierig Madame…schwierig. Es gibt keine Tickets mehr.“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, denke ich. „Versuchen wir es an der Kasse!“

In der Retrospektive hat sich das Wagnis gelohnt, aber anders als vorgestellt. 

Angekommen, werde ich Zeugin ägyptischer Verhandlungstaktiken. Heerscharen von mehrheitlich einheimischen Besucherinnen mit Kopftuch verlassen das Gebäude. Ist das unsere Chance?

Mohammed stürzt sich mutig mit arabischem Wortschwall und händeringend auf einen Securitybeamten an einem Nebeneingang. Während ich auf staubigem Asphalt vor mich her grilliere, werden Hände verworfen, klettern aufgebrachte Stimmen in die oberen Oktaven. Böse Blicke werden getauscht… bei Allah… es ist unmöglich…der Ordnungshüter bleibt stur. Ein Handy wird gezückt und an mein Ohr gehalten. Der lokale Touroperator:

„Madame: Verstehen Sie… heute ist das erste Wochenende seit der Eröffnung. 30‘000 Personen haben das Museum gestürmt. Um 12.00 Uhr haben alle Verkaufsstellen dicht gemacht… aus Sicherheitsgründen.

Aber als Trost bieten wir Ihnen ein Top Pyramiden-Programm!“

Und so kam es. Es ging zum direkt vor den Pyramiden liegenden 5 Sterne Hotel „Mina House“.

Ein schöner Garten. Bald sind die ersten Bilder im Kasten. 

Mission „Pyramiden“ completed.

Einer der besten Tische mit Traumblick wird auch vorbereitet. Die Nacht kann kommen. 

Zur blauen Stunde dreht eine Hochzeitsgesellschaft, die sich am „Place to be“ eingefunden hat, theatralisch auf. 

Palmen leuchten korallerot. 

Auf der Wand der Cheopspyramide tanzen Lichtkugeln wie Kometen. 

Später übernimmt der Laser und schiesst mit vibrierenden Strahlen zum Beat von Ed Sharan,

Taylor und Co den Himmel in Extase.

2025 trifft Altertum.

Für mich geht es später zur complimentary Soud & Light Show auf der andern Seite der Kolosse.

In mystischem Licht „erzählt“ die Sphinx aus 4000 Jahre Geschichte. 

Von den vergoldeten Spitzen, welche das Sonnenlicht auffingen und zu glänzen begannen als Zeichen, dass Re, der Sonnengott, mit der Erde verbunden ist. Von den zwei Millionen Quadersteinen, die während 30 Jahren alle 7 Minuten mittels schiefer Ebenen und Schlitten auf Position gebracht wurden.

Erfurcht.

Ehrlich, ich hätte wieder in den Flieger steigen können und hätte das Wouw Gefühl gehabt. Aber zum Glück geht es weiter…


Die Besichtigung gemäss Programm findet schliesslich am 3. Tag auch noch statt. Man wird mit Shuttlebussen auf dem Gelände herumgekurvt. 

Überall lauern Kameltreiber und Kutscher und „Hilfsfotografen“ ,

die für astronomische Summen, Aktivitäten anpreisen. Ich nehme es gemütlich per pedes und lasse die Zeitzeugen auf mich wirken.

Den Indoor-Besuch der Cheops Pyramide überlasse ich andern. Heiss, eng und anstrengend sei es. Der Lohn: Eine leere Grabkammer. Räuber hatten sie schon vor Jahrhunderten geplündert. Armer Pharao. Dabei hatte er doch gehofft, in seinem pyramidalen Haus für die Ewigkeit, nie gefunden zu werden.

Was hat es damit auf sich?

Meine Neugier auf den Wiedergeburtskult der alten Ägypter ist entfacht. 

Tauchen wir ab in die Unterwelt.

Folgen wir Anubis…

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Kommentare: 8
  • #1

    Martino (Donnerstag, 13 November 2025 15:35)

    Herzlichen Dank für diesen interessanten Einblick!

  • #2

    Aklin Ruth (Donnerstag, 13 November 2025 16:09)

    Sehr eindrücklich beschrieben�ähnlich habe ich Gizeh mit den Pyramiden vor 40 Jahren erlebt� Dsnke für den super Reisebericht.

  • #3

    Adrian Jetzer (Donnerstag, 13 November 2025 17:56)

    Vielen Dank für die spannende Einführung. Bin gespannt auf die Fortsetzung Ihrr Reise...
    Lieber Gruss

  • #4

    Georges (Donnerstag, 13 November 2025 18:33)

    Tolle Bilder und ein erster Einblick!

  • #5

    Albert Müller (Donnerstag, 13 November 2025 18:56)

    Liebe Franziska
    Ich bestaune die Cheops- und Chefren Pyramiden und fühle ich in nächster Nähe!
    Herzlichen Dank für deinen Bericht mit herrlichen Fotos.
    Mit Dankesgruss
    Albert

  • #6

    Rena de la casa (Donnerstag, 13 November 2025 19:38)

    Du schenkst einmalige Einblicke in die magische Welt der Pyramiden.
    Grazie, Francesca.

  • #7

    Noeli Lara (Donnerstag, 13 November 2025 20:00)

    Das erscheint mir so unglaublich und unfassbar, dass ich in Ihre Fußstapfen treten muss �

  • #8

    Barbara Stiemerling (Freitag, 14 November 2025 20:43)

    Toll! Eindrücklich !
    Ich bin genau vor 40 Jahren dort gewesen damals in meiner Tätigkeit für die Sheraton Hotels Egypt