Taxxxxxxi

„Twohundred“ das ist die Antwort auf meine Frage, was denn die Fahrt von Eden nach Victoria kosten würde. Die Taxifahrer haben es sich an einem schattigen Plätzchen auf ihren Campingstühlen gemütlich gemacht. 

Ich blicke durchaus theatralisch über den Rand meiner Leopardensonnenbrille hinweg, die Augenbrauen hochziehend. „Viel zu teuer; ich habe mich informiert: 150.“ Der Fahrer , des vordersten Autos, der mir geantwortet hatte, wirkt verlegen, bleibt aber standhaft. Die andern Chauffeure springen auf... Empörung...Händeverwerfen. Schliesslich finden wir uns bei 160. Die andern Fahrer schlagen sich vor Vergnügen auf die Knie. Kurz bevor ich einsteige, fasst mich der Älteste an der Schulter: „Well done, Lady, aber du hättest 100 sagen sollen. Wenn Du wieder kommst, fahre ich Dich grastis zum Kempinski, die längste Fahrt.“ „Wouww, super und was kostet die Rückfahrt?“ Ich ernte ein breites Grinsen aus seinem ledergegerbten Gesicht!

Taxifahren ist ein Erlebnis auf den Seychellen. Man kann sich eines bestellen lassen oder 

man wird eines aus der Warteschlange wählen, was keine Wahl ist, sondern das Vorderste. Die Hotels behaupten, dass die „Organisierten“ zuverlässiger und billiger seien und versicherungstechnisch in der Regel alles in Ordnung sei, aber das Dolce far niente  spült mich ab und zu in Situationen, in denen keine Rezeptionistin zur Seite steht und ich muss sagen: „Die Fahrten haben Unterhaltungswert.“

Wer einmal innert 15 Minuten seine sämtlichen Rippen lachmässig durchzittern möchte, der sollte „Pearly“ erwischen. Er beendet keinen Satz, ohne über sich selbst zu lachen. Er kutschiert mich von Marie Antoinette zurück und was er zu erzählen hat, ist nicht nur wahnsinnslustig  sondern auch interessant. Er arbeitete jahrelang auf „Bird-Island“. Dort habe er die Vögel mit Netzen eingefangen, um sie zu beringen, zu untersuchen und statistisch zu  erfassen. Daneben ist er auch kundig über Schildkröten 

und alles was kreucht, wächst und fleucht. „Ich bin ecologic guide. Wer mit mir kommt, wird definitiv was erleben. Wanderungen zu geheimen Orten mit Ausblick, jenseits der Touristenwelle oder wollen wir mal am Abend einen Fisch am Strand grillieren?“

„Darf ich Dich auch meinen Freunden empfehlen?“ „Sicher, aber keine schüchternen Langweiler bitte, die nie etwas sagen und nichts fragen. Ich will funy people! Und das den ganzen Tag.“ So landet Pearly auf meinem Whatsapp.  Ich bin sicher.... wir werden eine tolle Zeit haben.... irgendwann! 

Tags darauf möchte ich nochmals zum Craftsvillage. Das sind 20 Minuten. Es geht los mit Rose (Name geändert) am Steuer. Wie üblich handle ich den Weg für Hin-und Rückfahrt aus; bezahlt wird erst an Ende der Rückfahrt. Das Auto ist ganz nett. Allerdings fehlt hinten der Sicherheitsgurt. Das wird noch mein kleinstes Problem werden. Nach dem Kreisel beginnt die Schnellstrasse, aber während die andern Fahrer hier immer den Bleifuss reinhängen, klettert die Tachonadel nur zögerlich über 20kmh. Ich spüre schon langsam, wie sich in meinem Nacken eine ungeduldige Schlange bildet. Immer mehr Fahrzeuge überholen, dann hupen sie. Ich gebe mich noch locker und frage mal, wie sie, Rose, denn so die Sans Soucis Route finde. Das war genau aber ganz genau die falsche Frage. „Maaaadaaaame!! Ich fahre diese Strecke nie.... ganz fürchterlich... ich habe Höhenangst!!!!“ Während diesem Fast-Aufschrei kommen wir beinahe zum Stillstand,  finden uns aber bei 15 Stundenkilometern und einigen Schwenkern Richtung Trottoir wieder. In der Nähe des Flughafens geht der Transport zwischenzeitlich etwas flotter. Rose bearbeitet jetzt „ihr Thema“ mit Inbrunst. Fliegen könne sie natürlich

auch nicht mehr und Boot geht auch nicht. Wir durchhötterlen noch einige Kurven. 

„You want Craftsvillage.? Da ist vorher aber ein Hügel, da kann ich nicht hinfahren!!!. „ Wo denn da ein Hügel sei. Also gestern hätte ich keinen gesehen. Liegt praktisch direkt an der Strasse. „Yes yes Maaaaadaaame... there is HIIIIILLLLL... u know I have PHOOOOBBBIA“!

Die Spurtreue leidet schon beachtlich. Links eine Ausweichstelle. Rose blinkt zum Glück. Ihr Doppel-F Busen bebt zwischen dem Ausschnitt des petrolfarbenen Blumenkleides und dem Sicherheitsgurt mit beängstigender Schnelligkeit. 

Schweissperlen auf der Stirn. .. nicht nur bei Rose. „Maadaaaame ... 

I have PHOOOBBBIIAA!! This is HIiiiiiiLLL. !!!!“ Ich studiere die Tektonik und bemerke,  dass die Strasse gute 5 Meter angestiegen ist und dies sehr moderat noch einige Kurven lang tun wird. Rose erklärt, dass sie nur noch fahren könne, wenn ich mich nach vorne neben sie setzte und andauernd mit ihr spräche. Ungern aber getan. Ich schalte auf Therapiestimme..relax... gut durchatmen. Nach gut 5 Minuten geht es weiter. 

Der Ausblick ca. 15 Meter über dem Strand ist prächtig... aber ich muss ja sprechen.... sprechen. Von Wetterprognose für die nächsten Tage  über Auslandreisen bis örtlichem Kinderkrippenkonzept gebe ich nonstopp alles. Wir kriechen die Kurven herunter. Ich befürchte ein baldiges Têta à tête mit der Leitplanke und rücke unweigerlich nach rechts... Klammergriff an der Seitentüre. Es wird jetzt wieder flach...Und schon ist das Dörfchen erreicht, und ich steige leicht zerknittert aus dem Gefährt.

Bleibt noch zu erwähnen, dass es auch eine Rückfahrt gibt.  Ich wieder vorne... Diesmal wähle ich den unendlichen Gesprächsstoff „Tourismus“.  Von entspanntem Beifahrertum kann allerdings keine Rede sein. Das sehe aber nur ich so. „No worryyyy Madame... I am fine again! I have 8 years driving-practice !“

Punkto Abendprogramm präsentiert sich meine Taxilust leicht verhalten. Die Dämmerung ist schon aufgezogen. Ich schlendere vorsichtig prüfend am Stand vorbei. Nur ein Taxi da... ein schönes... gepflegtes und wage den Blick zum Steuer. Hola... surprize! Ein Weisser? Das weckt Neugier. Für die Fahrt zum Grande Maison gibt er einen sehr vernünftigen Preis an. Eingestiegen. 

Wir kommen ins Gespräch. Und sieh an: Der Ur-Urgrossvater stamme aus der Schweiz! Aber leider, sei er, Dominique, noch nie dort gewesen.

Er fährt äusserst routiniert, Wolke 7, nach dem nachmittäglichen Trauma. Und es kommt noch besser: Dominique war lange Polizist. Kennt alle Leute, jede Ecke.

Stand im Dienst des früheren Präsidenten... eskortierte ihn oder fuhr Staatsgäste, hohe ausländische Minister. Er erzählt das alles sehr ruhig, bescheiden. In seinem Blick scheint manchmal etwas Nachdenklichkeit durch. Sehr

sympat. Wir sprechen über sein jetziges Business. Und ich bin platt. Dominique ist allen eine Nasenlänge voraus. Man kann bei ihm mit Karte zahlen und zwar auch mit Amex, die hier praktisch rundum abgelehnt wird und .... und .. ich glaub es nicht: Er hat Wifi on board. Fantastisch. 

Als er in den Garten des Grande Maisons einbiegt,  bemerkt er noch: „Eine gute Wahl! Madame! Eine sehr gute!“

Nach zwei Stunden ist  er

wieder da, lehnt an der Bar der offenen Veranda, Originalmöbel in dunklem Holz, der Vertilator zieht seine surrenden Kreise, ein Kaffee auf der Theke. Das Geld lege ich dem Oktopus in die Schale. Dominique spricht spricht leise und besonnen... Familie....Kinder..... nicht die grosse Welt... das Wesentliche. 

Es passt zu diesem so magischen Ort.