Takamaka

„Die Reise nach Timbuktu“. War das nicht ein Buch aus meiner Jugendzeit. Ich liess damals die Gedanken entgleiten. In die Ferne. Zum Unbekannten. Dahin, wo Fantasie und Wunsch sich treffen. 

Es gibt magische Worte, die unsere Sehnsucht befeuern.... genau in dem Moment, in denen Du auf sie triffst. So eines war Timbuktu, später war es „Sansibar“ und seit kurzem „Takamaka“. Es sind Termini, die wie zarte warme Schokolade auf der seelischen Zunge schmelzen.  Ich war nie in Timbuktu und nie in Sansibar. Aber:„Takamaka“ ich komme.“


22.20 zeigt meine Uhr. Genau jetzt zittert sich der Supervogel A 380 hoch. Dieser Gigant startet nicht, er rüttelt sich ganz sanft in die Lüfte. Eine adrette Flightattendent mit Champagnerschleier am kecken roten Hütchen hatte mir freudig übermittelt, dass das Ziel in rekordverdächtig kurzen 5 Stunden und 45 Minuten erreicht sei, allerdings.....in

Dubai liege dicker Nebel.... man habe mal mehr Kerosin getankt. Es könne gut sein, dass man bis zu 2 Stunden in Warteschlaufe gehen müsse. „Connecting flights?“ „Tja... hmmmm...“,  also Dubai sei ja auch schön!  Und in 24 Stunden starte wieder ein Flieger nach.....


In Erwartung eines neuen Abenteuers gönne ich mir einen durchgehenden Schönheitsschlaf und ..... Entwarnung. Fünfeinhalb Stunden später...Auf der Flightkamera erscheint die Küste der Emirate, im Dunst der Burj Kalifa. Ein Touch Down scheint ohne Verzug möglich. So sanft wie er abgehoben hatte,  so butterweich setzt der Flugsaurier seine Pneus auf die arabische Piste. Nun noch zwei Stunden Beine vertreten am attraktiven Airport, der allerdings auch weitläufig ist, und ich muss von den Gates B nach C wechseln. Offenbar scheint meine Kombination aus Rosenkleid mit Blondschopf den zwei bärtigen Golfwägelifahren aufgefallen zu sein. Sie stoppen ihr Gefährt just an meiner Seite? „Need Transport?“ 

„Why not ? Ha die kommen ja wie gerufen! Aber die verlangen sicher ein Vermögen für den Ritt.“ Ich winke mal lächelnd vorsichtig ab. „No, it‘s free!“... ja gut.... dann bitte zur nächsten Kaffeebar. Mir steht der Sinn nach Espresso. „Danke für die Fahrt!“

Am Gate zu meiner finalen Destination merke ich sehr schnell... „ohhh ... Takamaka kommt näher!“ Das Publikum ist bunt.... sehr bunt. Rastalocken zu Frisurbergen aufgetürmt, ebenholzschwarze Haut blitzt unter farbenfrohen Kleidern. Schwarz-weiss-karierte Pijamatenues  scheinen angesagt ebenso wie bonbonfarbige Tops, die sich über ausladende Busenhügel streeeeechen und gestreifte Schlauchminis, die punto Elastizität alles geben., um die kreolischen Rundungen einzupacken. Allen gemeinsam scheint aber zu sein: Flipp Flopps !!

Das Boarding wirkt entschleunigend langsam. Aber schliesslich geht es nun los und ich freue mich über einen Fensterplatz und dieser lohnt sich. Der Burj al Arab bläht noch sein architektonisches Segel für mich. Ich jedoch bin gespannt auf die Kargheit des Omans. 

Die Morgensonne schenkt mir fantastische Ansichten. Der Planet Erde. Wie kann man jetzt am Fenster sitzen und Zeitung lesen. 

Ich lasse die arabische Halbinsel hinter mir... der Kompas

zeigt auf Süden. 3 Stunden. Es geht über den Aequator. 7 Grad südlich.... erste Wolken... Konturen...Kleine Eilande unter Wolkenflocken. 


Die Strände schimmern perl und das Merr türkis. 

Ein letzter Bogen... „Takamaka! ich bin da!

„Emirates 707 nimmt Kurs auf die Landebahn von Mahé. Welcome to Seychell Islands... welcome to paradise!!

Am andern Tag ist der Ausflug natülich klar. Um 10.00 Uhr begrüsst mich Godfrey, der Taxifahrer und es bleibt kein Zweifel; er hat Humor und Geduld. Takamaka...das sei eine gute Wahl und der Besuch des Restaurants sehr zu empfehlen. Die Fahrt geht der Ostküste entlang Richtung Süden. Thema Nummer 1. Das Wetter. Ja, es könnte besser sein. Viel Regen in den letzten Tagen. Aber anyway... „Vergiss Wetterprognosen für Seychellen“. Irgendwo scheint immer die Sonne... aber wo? Die Hauptinsel Mahé ist 40 km lang und 5 km breit. In der Mitte durchzieht ein samtgrüner

Bergkamn von rund 1000 m Höhe die Insel. Je nachdem woher der Wind weht, stauen sich an einer Seite feuchte Wolken. Sie erleichtern sich sintflutartig, während 3 km weiter weg die Badenixen bei vollem Sonnenschein im Sand ahlen.  Aber warm

Ist es immer. So 26 - 35 Grad liegen allemal drinn.


Nachdem ich schon einen ersten Blick auf palmiges Gewedel am Strassenrand werfen konnte und der eine oder andere Strand durch das üppige Gebüsch blitzt, biegt Godfrey nach rechts ab. Ich komme mir vor wie auf der Ibergeregg. Kurvig steil schlängelt sich die Strasse. Statt Fichten und Föhren wuchern XL Exenplare meiner Büropflanzen. Drachenbäume, Ficcus Benjamini... grün grün grün. Von ihren glänzenden Blättern kullern letzte Tropfen des gerade vorbeigezogenen Schauers. Die wiedererwachten Sonnenstrahlen schillern in den Tropfen. Es riecht waldig... moosig.... süss.


Ein Holzschild . „ Chez Batista“.

„Voilà... Takamaka.... nous sommes arrivés!

Ich bin aufgeregt. 

Endlich Takamaka. In einem eleganten Bogen, gesäumt von hochstelzigen Palmen, liegt mein Sehnsuchtswort. Vorne links eine Gruppe der inseltyipischen Granitfelsen. Diese haben die Strände bei der Filmbrache berühmt gemacht. 

Es gefällt mir auf Anhieb hier. Ein gelbes, verwittertes Boot gibt ein Fotosujet  par exellence. 

Und nun? 


Ist es der Beach meiner Träume? Es liegt schwarzer Seetang in der Brandungszone,  

Korallenplatten erfordern Badeschuhe. An einem 5 Sterne-Resort-Strand wäre das alles gesäubert. Makellos!

Objektiv gäbe es also andere Strände; traumpuderzuckerweisse. Künstlich geschönt, durchaus so hatte meine Immagination geträumt. Aber ich wollte eben nach Takamaka... nicht irgendwohin. 

Die Atmosphäre ist authentisch. Fast keine Menschen. 

Das kleine Hotel weiter hinten hat noch einen Hippitouch. An den Leinen draussen hängen Kleider. Ein Ort für Aussteiger oder Anderssteiger, die schon alle Sterneanlagen abgeklappert haben und sich des repetitiven Luxus leid sind?

Im „Chez Batista“ wird das Buffet vorbereitet. Ein „Ohne Schuhe-Restaurant“ Herrlich nur Sand. Barfussfreude!!

Es ist einfach hier, aber man legt Wert auf das Detail. Eine hübsche Kerolin wickelt das Besteck sorgsam in Servietten. 

Sandi trägt die elipsenförmigen Schüsseln auf, der Koch präsentiert den frischen Jagfisch. 

Ein farbiges Geschmause aus Curry, Pasta, Fisch und Kerolischem Eintopf wartet. Die Aussicht ein Traum. 

Nach dem Essen ist Godfrey noch zu Fotospässchen aufgelegt. „Cheese und Victory...  Lebensfreude pur.“

Ja Godfrey hat Humor... das sehen wir und bald braucht er Geduld.

Ich möchte nach Boile Lazare. Das Künstlerdorf oberhalb der Anse Lazare.... die eigentlich Takamaka locker toppen kann. Makellos!

Godfrey scheint meinen Kunstgeschmack zu erahnen. Er hält vor der Gallery des internationalen Künstlers Gerard Devoux.  Der Meistro ist anwesend, und man ist sich mit einem Kauderwelsch aus Französisch und Patois sofort sympatisch. Ich trete ein....und tauche ab. 

Diese Farben.... eine Art naive Malerei. Originale sind auf dem Markt selten, aber Gerard verkauft hier Lithografien, die er einzel und individuell von Hand retouchiert. Und signiert. In dem Sinne ist also doch jedes Werk anders. 

Enthaltung ist nicht möglich... und das beschert Godfrey einigen Ärger mit seiner 5-köpfigen Familie, die ihn offenbar früher erwartet hatte undxständig ihn percTelefon drangsaliert. Gérard Devoux seinerseits lässt sich nun durch gar nichts aus der Ruhe bringen. Die beiden ausgewählten Werke werden höchst sorgsam gerahmt. 

Ich gebe mich derweil der Betrachtung der Bilder wieder. Der Kreis zu „Takamaka“ beginnt sich zu schliessen. Die kindliche Träumerei. Hat sie hier noch Platz zwischen Digitalisierung und Erfolgsgehabe?

Es hat keine Rolle gespielt, dass Takamaka anders war, als es nun ist,  aber ich war da. Ich bin meinem Traum gefolgt.


Ein neues Jahr steht vor der Tür,  und ich wünsche uns allen, dass wir unseren Träumen wieder Raum geben und mit ihnen auf Entdeckungsreise gehen. 

Euch allen ein traumreiches, spannendes neues Jahr!!


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