über den Wolken 4

Rarotonga adieu
Rarotonga adieu

Ob Paradies... Awaiki oder Projektion... einen Ort wie Roratonga verlässt man nicht ohne Wehmut. Dieser verfliegt aber schagartigauf dem Rollfeld. Unsere Crew erwartet uns. Trotz einem gerade niederprasselnden Wolkenschauer brechen wir in lautes Gelächter aus. Unsere gesamte Crew in Polynesia- Verkleidung... samt Kapitän mit Blumenkranz. Sogar mein inzwischen berühmtes Köfferli erhält Sonderbehandlung und wird vom Co-Piloten persönlich die Stiegen hochgetragen. Zwischen den Sitzreihen geht sofort ein munteres Knipsen los. Jeder möchte ein Bild von den Hulahops, die uns mit sprudelwasserunterlegtem Fruchtcocktail den Abschied versüssen.

So nehmen wir schliesslich frohgemut Platz. 7 Stunden 40 Minuten. Wieder einmal eine Strecke, auf der Manuel alles geben kann.

Das marinierte Huhn kokettiert mit Zitronengras und Knusperchalotten

das Waygu-Rind lehnt sich an eine Karfiolvariation an,

und die vorweihnachtliche Schokomoussetart flirtet mit eingelegten Kirschen. Wir schwelgen. Leider ist der chilenische Wein ausgegangen. Ich hoffe auf Australien und auf dass Manuel eine passendes Weingut finde.

Als ich mich gerade einmal darniederlegen möchte....Land in Sicht. Ein herrlicher Überflug über den Norden von Neuseeland. Ich erkenne viele Plätze ganz leicht, an denen ich im Jahre 1992 war. Rotorua, Rockport, Auckland. Wunderbare Erinnerungen ziehen an mir vorbei. Zum Beispiel die Maori-Begrüssung mit diesem Nasenschnäbeln, das mir partout nicht gelingen wollte.

Mit dem Kapitän unterhalte ich mich über Wetterkapriolen, Gewitter, Winde und Luftlöcher und die technischen Hilfsmittel, die zur Verfügung stehen

Der Anflug auf Hobart ist spannend. Wir kleben alle an den Fenstern." Du", sagt Manuel, "das sieht ja aus wie im Tirol" (oder bei uns in der Schweiz, denke ich). Aber ein entscheidender Unterschied: Die Strände... ja das fehlt uns.

Nach der Landung möchten wir schnell raus und an der saubersten Luft der Welt schnuppern. Wilfried, der mitreisende Professor, hat uns mit einem Vortrag hoch über den Wolken schon eine willkommene und wie immer fundierte Zusammenfassung über Tasmanien geliefert, und wir möchten es entdecken. Aber vorerst:" Sitzen bleiben bitte", die ausstralischen Behörden sind äusserst formell, und wir hoffen auch, dass alle Evas an Board ihre Äpfel & Co entsorgt haben und die mobilen Telefone verstaut sind . Anschalten oder gar Foto machen auf dem Flughafen geht gar nicht.

 

125$ !! Und sie haben zivile Observateure angestellt, die einem den Reiseauftakt mit einer solchen Busse vermiesen können.

 

Aber wie auch immer. Wir können vorerst nicht aussteigen.

 

In Hobart landen keine Flieger dieser Grösse, und so musste eine Treppe extra aus dem Festland per Schiff herübergebracht werden.

 

Schliesslich ist der Ausstieg bereit und fröhliches Schwitzertütsch empfängt mich. Regina aus dem Zürioberland, und mit Ihrer Hilfe geht die Immigration überraschend schmerzlos von statten.

 

Grüezi Tasmanien.

Die Eigenwillig Schöne

"Irgend etwas ist hier anders

Und doch gleich". Es könnte in der Schweiz sein, aber die Bäume, die Bäume. Hochgestelzt strecken sie ihre lockeren Kronen in den Horizont. Eukalyptus. Ich presse meine Linse an das Busfenster... den und ..... den möcht ich ablichten. 

Bald treffen wir in der Hauptstadt von Tasmanien,  Hobart, ein. Sie präsentiert sich mit einem Hauch Biederheit, proper, englisch. Abgesehen vom innersten Zirkel. wo sich einige ca. 15-stöckige Würfel angesammelt haben, scheint hohes Bauen hier  unbeliebt. Oder unnötig. In den Wohnvierteln bilden Mehrfamilienhäuser die absolute Ausnahme. Jeder hat sein kleines, sehr kleines Parterrehäuschen; im Vorgarten wetteifert man um die buntesten Blumen. Die Gegend ist lieblich sanft geschwungen angelehnt an die Abhänge des 600m hohen Mount Wellington. Der Fluss bildet eine Art Fijord. Die Aglomerationen haben sich entlang der Meeresmündung aufgereiht. 

Das Nachtleben der Stadt findet am Salamancaplatz statt. Alte Warenhäuser des Hafens sind nun zu kleinen urigen Lokalen für Speis und Trank herausgeputzt worden. Der " Drunken Admiral" sei besonders originell, melden mir einige Nachschwärmer. 

Das war es wohl. 

Die Insel lockt denn auch weniger mit Urbanität als mit Natur. Wir kommen voll auf unsere Kosten. 

Auf unserer Tour tags darauf folgen wir dem Flusslauf ins Landesinnere und gewinnen an Höhe.

Kleine Weingüter säumen unsere Fahrt. Export? Nein. Die Familien verkaufen nur ab Weinkeller direkt. Merlot, Pinot, Chadonnay sind beliebt und gut.

Auch für Biertrinker ist gesorgt. In der höheren Ebene tun sich weite Hopfenfelder auf und ein tasmanischer Whisky erhielt vor gut 10 Jahren international den ersten Preis. 

Das Tal wird enger, wilder. Noch ein paar Kurven. Wir steigen aus und finden uns in einem Märchenwald wieder. Die Baumfarne entrollen gerade ihre frischen Fächer. 

Rotwollig sind die jungen Triebe noch geschützt. In wenigen Tagen werden sie in zartem Grün wie ein filigraner Stoff das Licht brechen. 

Doch die Farne sind nur elegante Statisten neben den wahren Grössen in diesem Gehölz. Ich muss das Zoom sehr weit hinausfahren. Hier stehen die höchsten Bäume der Welt. 115m soll der Rekordhalter sein. Seine Kollegen bringen es auch noch auf 90m. Wie klein wir sind da unten. 

Ich kann vor allen den Stamm betrachten. Fast elfenbeinweiss und glatt. Ein Eukalyptus "häutet " sich jedes Jahr. Lässt die alte Rinde in langen Schelfern abblättern. Sie hängen noch wochenlang lose am Stamm bis sie die letzte Haftung verlieren und ins Moos fallen. Herrlich anzuschauen, das Moos. 

Tausendfaches Grün zaubert dieses archaische Urgewächs. Mystischer Teppich über Wurzeln, Strünken und Steinen. Süssmoorig die Luft. Ruhe hier... ein Vogel zerteilt mit seinem Pfiff für einen kurzen Moment die Einkehr...

Oder will er mich aufmerksam machen auf den Höhepunkt dieses Platzes im Mt. Field National Park? 

Das ferne Rauschen verrät es. Ein gepflegter Weg schlängelt sich durch den tasmanischen Dschungel... eine kleine Lichtung... mir entfährt ein Wouwww ... ich habe in Isand unzählige Wasserfälle besucht, aber dieser.... 

in weichen Kaskaden entlässt er seine  weissen Wassersträhnen. Sie gleiten über den glänzend schwarzen Felsen, um sich im stillen Becken zu verlieren. Für ein paar Sekunden bin ich Alice im Wunderwald.