Ueber den Wolken 8

Ulan Bator - Wien 

7 Stunden


Ich kann es fast nicht fassen. Der letzte Flug. „Ui, Manuel, dabei wollte ich doch noch mit Dir über Deinen neuen,  aufregenden Beruf plaudern“: Schauspieler. In „Tatort  Wien“ und mit den „Vorstadtweibern“ ist er bereits TV-tastisch unterwegs. Leider habe ich meinen Stift im Hinblick auf ein Autogramm verlegt, aber für ein Bild mit dem Jungstar reicht es noch. Mehr Zeit hat Manuel nicht. In der Kombüse eines Jets gibt es kein Lari Fari. Da muss jeder Handgriff stimmen. 


Wie immer ist sein Menü der Aktualität angepasst und die heisst: „Heimkommen!!“


Das Thema im Wohnzimmer: 


„Was isst man am liebsten Zuhaus, nach der Rückkehr?“  Mehrheitsantwort: „Ein heimisches Bier, Brot, eine Wurst.“ Und als hätte Manuel das gespürt: Es gibt eine Bretteljause. 

Nachher Würstchen. 


Das ist das Stichwort: „Wie war das, Herr Professor,  nochmals mit der „Opferwurst“? Wir hatten diese Frage doch schon im Artikel „Über den Wolken 1“ angeschnitten.

Es geht um das perfekte Garen von Würsten in einer Flüssigkeit. Damit die Wurst nicht ihr Salz und die Gemacksstoffe an das Wasser abgibt, muss dieses mit dem gleichen Salztyp wie derjenige, der in der Wurst verarbeitet ist, angereichert werden. So findet beim Kochen kein Ausstausch statt. Die Wurst bleibt würzig; wird nicht verwässert. 

Deshalb muss e i n Würstchen sich dem Marthyrium des Vorkochens hingeben. Es geht alleine in den Topf und gibt Teil seines Salzes und seiner Aromen ab. Darin baden später (in der hochwertigeren Flüssigkeit) die andern Würste.

Das ist Physik! Mein Exemplar des Buches: „Die Genussformel Kulinarische Physik“ von Professor Werner Gruber wird schon am Flughafen auf mich warten. Ich habe es vorbestellt. 

Und danke, lieber Werner, für die persönliche Widmung. 

Unter mir geben die Wolken einen letzten Blick auf die mongolische Landschaft frei. Wie eine zusammengeschobene grüne Wolldecke falten sich die hügeligen Landschaften auf. Ein Fluss zieht seine Schlingen. Ein Blick zum nochmals Träumen: 

Was hatten wir für eine fantastische Zeit. Dabei konnte ich noch gar nicht alles beschreiben: 

Kulinarisch blieb kein Auge trocken. Wisst ihr noch im „Craws Nest“, dem Dachrestaurant in Anchorage? Krabben auf Spinatspiegel,

Eisbergsalat in verlockendster Präsentation und Schokkotörtchen mit schmelzenden Herz.

Im Shangi-La Ulan Bator die knusprigbraune Pekingente, 

und ein paar Schritte um die Ecke  in der Rooftop-Bar „Sky 7“ der blumengeschmückte Sprossensalat 

begleitet von einem Violinquartett und Mozarts kleiner Nachtmusik (eine Überraschung von wem wohl?).

Das lustigste Essen von allen war aber im „Nomade“ in Ulan Bator. Diese beiden Bilder kommen auf ausdrücklichen Wunsch meiner mitreisenden  Mitesser auf den Blog.

Obwohl wir bereits mit sehr feinen Geflügelmedaillons bedient waren, trug die Küche als Überraschung einen traditionellen Schafskopf auf. 

Unsere Crew war skeptisch und neugierig zugleich. Das zweite überwiegte. So verzehrten sich die Fleischmöcklein zusammen mit einer Art Pesto erstaunlich rasch, was schliesslich die Kopfantomie freilegte und diese Optik wiederum das neuroaffine Interesse des Professore Gruber befeuerte. Er zückte den Kugelschreiber und führte uns, während unsere Lachmuskeln auf das Härteste strapaziert wurden, durch schafliche Grosshirnwindungen bis zur Hypophyse.

Ein Verdauungswässerchen wäre nun das Richtige. Wir sind real und gedanklich wieder in unserem Flieger. Für den letzten Umtrunk habe ich eine Flasche Etter „Vieille Kirsch“ aus Zug mitgebracht und Tom wird diesen nun für ein letztes Anstossen ausschenken. 

Thomas Lengauer
Thomas Lengauer

Es ist grosse Dankbarkeit in uns. An unsere Reiseorganisatorin Melanie, die unermüdlich vor Ort und im Hintergrund mit Telefon und Laptop gewirkt hat und es so geschafft hat, uns sorglos und sicher durch diese nicht so leicht zu bereisenden Destinationen zu manövrieren und gleichzeitig  den Spagat vollbrachte, uns Annehmlichkeiten punkto Hotels und Essen zu bieten, die für diese Reisegebiete outstandig waren www.hltravel.ch.

Melanie Frühwirt
Melanie Frühwirt

Molto grazie an Manuel und Tom, die flugkulinarische Höchstleistungen servierten und stets charmant und  fröhlich für Wohlfühlambiente sorgten. Far beyond First Class. Heaven!! 

Manuel Niederkoffler
Manuel Niederkoffler

Den beiden Piloten, die uns sicher mit über 900 km pro Stunde über Eis und Tundra navigierten.


Herrn Professor Werner Gruber, der mit Vorträgen über Gold, Klimaerwärmung, Russische Raumfahrt, Polarlichter und weiteren Themen, die stark unterbelichtete physikalische Seite in uns erleuchtete und sich über viele Besucher im Wiener Planetarium freuen würde. 

Dr. Adi Binder
Dr. Adi Binder

Tausend Dank Adi, unserem Arzt, der diskret und kompetent wirkte, wenn sein Rat gefragt war.

Dieses bunt-exotische Abenteuer bildete mit seinem hohen Standard, der Individualität, die jeder Teilnehmer geniessen konnte, der Abwechslung und den kompetenten Führungen Goethe mit seinem Zitat ab:


„Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen.“


Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei Euch allen lieben Freunden und Bekannten bedanken, die mich lesend auf dieser Reise begleitet haben. Ich konnte leider die vielen, vielen Zuschriften, Kommentare, Mails und WhatsApps unterwegs nicht persönlich beantworten. 

Sie haben mich beflügelt und erheitert. Ich hoffe, Ihr hattet Vergnügen. Merci à vous tous!

(Meine Seite darf gerne auch an interessierte Personen weitergeleitet und geteilt werden).




Nun bin ich zurück in Zug.  Die einzigartige Erinnerung bleibt:

Ich habe gelacht aus Spass.

Ich habe gestaunt mit Demut.

Ich habe geweint vor Glück.“


Danke.

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Kommentare: 7
  • #1

    Silvio Z. (Sonntag, 09 September 2018 16:54)

    Vielen Dank für das "Mitreisenlassen".
    :-)

  • #2

    Werner Weber (Sonntag, 09 September 2018 19:15)

    Liebe Franziska Deine Beiträge waren nicht nur lehrreich, sondern eine spannende Bereicherung. Ich konnte jeweils kaum warten.

  • #3

    Huber Stephan (Sonntag, 09 September 2018 21:21)

    Das war spannend beschrieben. Danke.
    Herzlich Stephan

  • #4

    Cornelia &Thomas (Montag, 10 September 2018 00:00)

    Ganz lieben Dank für viele spannende Momente und Geschichten �

  • #5

    Albert Müller (Montag, 10 September 2018 11:37)

    "Wohlbekomms" - Ihr schwelgt mit Essen und Trinken, aber nun bist du ja wieder hier in Zug willkommen angekommen und nun beginnt für dich die Fastenzeit...
    Herzlichen Dank für die vielen so herrlichen Bilder aus einer mir unbekannten Welt, die ich nun auch kenne und gar nicht erst hingehen "muss"...

  • #6

    Peter Ott (Dienstag, 11 September 2018 10:13)

    Am Ende einer sozusagen ausserordentlichen Nordroute mit vielen Eindrücken und Erlebnissen! Wir haben deine Reise miterlebt und mitgenossen. Aus dem Text und den Bildern sollte unbedingt ein Buch werden!
    Vielen herzlichen Dank.

  • #7

    Huber Elisabeth (Sonntag, 14 Oktober 2018 16:42)

    Liebe Franziska.
    Danke, dass Du uns an Deiner Reise teilhaben liessest. Sie war spannend von A-Z. Und wie Albert so treffend schreibt, Du hast uns so informative Eindrücke geschildert, dass wir gar nicht erst dorthin gehen „müssen“. Schön, dass wir Dich jetzt wieder wohlbehalten unter uns wissen.

    Herzlichen Dank.