Ueber den Wolken 2

Manuels Polar-Mümpfeli
Manuels Polar-Mümpfeli

Spitzbergen - Illulisat, Grönland

 4,5 Std  + 40 min


Der Blick aus dem Fenster in Longyearbyen. Ziemlich schön. Die Fahrt zum Flughafen ist ein Hüpfer. Ich steige aus, möchte in das Flughafengebäude eintreten. „Nein“, rufen die andern. Wir sollen gleich zum Talibantor vorrücken. Also ohne Check-in und Sicherheitskontrolle?

Die Lösung heisst „ja“

und entspricht genau dem Übernamen, den ich Norwegen bei meinem Besuch 1997 mit meinem gehbehinderten Vater vergeben habe: „Help-youself-Staat“. Wieso Service oder Betreuung? Vieles kann man doch selber erledigen. 


So kommt es mir vor, als ich Tom und Melanie geschäftig auf dem Rollfeld entdecke. Irgend jemand hat die beiden instruiert, bzw. in neongelbe Warn-Westen gesteckt und zum temporären Outdoor-Bodenpersonal ernannt. Sie dirigieren uns, Arme rudernd, telefonieren mit dem Tower und lotsen uns schliesslich zu unserem fliegenden Wohnzimmer. 

Noch einen letzten Schnauf Spitzbergenluft, Treppchen hoch... und da erwartet mich schon: Manuel. Locker-charmant begrüsst er uns. Er hat die letzten. 48 Stunden Servietten gewaschen, gebügelt und in der Hotelküche vorgekocht. 

Die Menuekarte mobilisiert schon meine sämtlichen Magensäfte. 


Schuhe aus und in den Abflugmodus schalten.

Toms erste  - und aufs Höchste geschätzte - Amtshandlung an Bord ist das diffiziele Balacieren der Champagnergläser. Wir erleichtern ihn nur zu gerne. Im Gegensatz zu uns, kann er mit Glas umgehen. 


Die Viererbande macht sich nach dem Start ans Werk und leistet volle und klirrende Arbeit. Zur Aufklärung der Vorfälle müsste der Jurist sich des Kausalitätsprinzips behändigen. 

Es waren diverse Personen involviert. 

In Anbetracht der Komplexität des Falles, bietet Manuels mediterranes Plättchen gelungene Ablenkung, und ich wechsle gleichzeitig  elegant zum standfesteren Weissweinglas, das sich mit erfrischend mineralischem Chablis füllt.

Später strudelt sich ein köstlicher Pilzstrudel auf Paprikasauce auf mein Tischchen. Die Fotos der Gerichte, entstanden übrigens unter verdankenswertem professoralem Tellerhaltens, welches durch zitterfreie Austarierung des oberen Tellerrrandes in perfekter Horizonalposition den gourmetastischen Klick ermöglichten.


Zum Finale knödelt sich die marillische Austriaspezialität samt Aprikosenstamperl (Schnäpsle) an mich heran. Ein kalorienmässiger Frontalangriff. Aber wir fliegen ja der Kälte entgegen. Dachte ich.

Nach butterzarter Landung in Kangerlussuaq entsteige ich, in Erwartung von Kälte, im Zwiebelprinzip mehrschichtig eingepackt, wie ein ausgestopftes Schneehuhn, dem Flieger. Doch nach wenigen Schritten ereilen mich innere Wallungen. 15 Grad!! Im Innern des Flughafens herrscht unter dem zahlreichen Touristen T-Shirt-Kultur! Wir brutzeln hinter den grossflächigen Scheiben des Warteraums vor uns hin. Grönland?

Nun der Boarding-Call für den Flug nach Illulisat. Da auf der kleinen, lustig weiss-rot getupften Propeller-Dash-Maschine freies Sitzen angesagt ist, bringe ich mich schon mal in Position und stelle mich beim Gate sehr früh an, denn die Sicht scheint klar zu werden. 

Schon bin ich wieder in der Luft und tatsächlich nach 20 Minuten. Eisberge.... Eisberge. Wouwww!!

Der Tag wird mit einem bezaubernden Sonnenuntergang vor den Ice-Igluzimmern (bitte Delux buchen) des Hotels Arktic enden.

Die Mitternachtssonne küsst die akrtische See, die sich in chromstahl-eisiges Anthrazit wandelt. Ich stehe, lang ersehnt, an der Diskobucht. Fast komplementär zum Farbspiel des Horizontes... die Eisberge, in zartes Lila getaucht und später in magisches Schwarz.

Meine Zeit steht still.



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Kommentare: 4
  • #1

    Hansueli Märki (Donnerstag, 23 August 2018 15:10)

    Super Aufnahmen, fast so gut wie die gewählten Worte im Reisebericht. Illulisat ist in der Tat ein einzigartiges Ziel. Schon oft darüber hinweg geflogen, auf dem Weg von Frankfurt nach Anchorage. Muss da auch mal landen!! Mach weiter so!

  • #2

    Albert Müller (Donnerstag, 23 August 2018 15:47)

    "Gletscher und Girl"... für mich gilt: "Gletscher und Pickel"...
    Aber herrliche Landschaft und köstliches Essen - weiter so -

  • #3

    Werner Weber (Donnerstag, 23 August 2018 16:20)

    Deine Berichte, liebe Franziska, sind in der Tat zum abheben. Du machst uns neidisch, wir haben heute am 23. August in Zug immer noch 30 Grad am Schatten und die Gäste werden anlässlich der Stadtführungen ohne Wasser beinahe ohnmächtig. Aber Morgen wird uns Grönland Kühle bringen.
    Und diese Menüs und die feinen Weine, hast du das wirklich so verdient?

  • #4

    Renata de la casetta (Samstag, 25 August 2018 18:44)

    Sicher hat Francesca das verdient...
    Spass a parte, mach weiter so und geniess deine Zeit (mit und ohne Viererbande) im kühleren Norden.