Ueber den Wolken 1

Wien - Spitzbergen 3.5 Std.


Ich zupfe meine neongelbe Winterwindjacke aus dem Rucksack. Neun Uhr morgens. Schon 19 Grad. Angesagt für heute 32 Grad. Die Nylonstrümpfe die wasserdichte Trekking-Hose, der getupfte Faserpelz. Ich fühl mich wie ein Alien. Am Zielort sind 4 Grad prophezeit. Noch ein Check: Stirnband, Handschuhe, Sonnenbrille Feldstecher.....Pass.

Nun auf ins Abenteuer. Nicht gerade zu den Aliens aber der hohe Norden wird remotes Erlebnis bereithalten. Eines, das ich mit 14 andern Personen teilen werde.

Die Fahrt zum Flughafen ist kurz und mit Veronika und Richard Frühwirt kurzweilig. Und jetzt der Moment, dem man leicht beunruhigt entgegenfiebert. Gruppe kennenlernen!!!

In der fröhlich-bunten Halle des Jet Terminals geht die Begrüsserei leicht und unkompliziert über die Bühne. Da stehen insgesamt mindestens locker 20 Weltumrundungen vor mir. Also reiseerfahrene Erdenbürger... genau genommen alles Österreicher und ein deutsches Paar. Ich bin die Schweizer Exotin. Gut habe ich vor 6 Wochen mein Austriavokabularium aufgebretzelt

(Artikel: Schmankerlglück). Ich werds schon bald brauchen bzw. erweitern können. 

Es geht ans Hallo und ich bin die und komme von Zug. Und auch die Prominenz ist schon da. Der berühmte Professor für Physik, Dr. Werner Gruber aus Wien, der uns als Lektor begleiten wird. Melanie Frühwirt, die schon wie ein Glückskäfer strahlt, stellt uns vor. Gleich mal ein Bild vom Trio das sich im Flugzeug schon bald zur Viererbande entwickeln wird. 


Ich lehne mich geistig zurück. Das kommt gut... sehr gut. Nette Mitmenschen mit Niveau, Wohlfühlpampering durch Melanie und www. hltravel.ch. 

Arktis ich komme. 

Nach unkomplizierter Security am VIP-Terminal, dann flott auf das Rollfeld, wo der Global-Jet in der Sonne glänzt. Schon von Weitem sehe ich Manuels schneeweisse Kochmütze leuchten und Thomas ist auch schon da. Warm und herzlich:

Ich bekomme von den beiden Bussi Bussi. Sie laufen auf Hochtouren. Die ganze Nacht haben Sie gearbeitet und heute Morgen den Flieger beladen. 


Mr. Käptn hat auch noch kurz Zeit für eine bildliche Verewigung und dann hoch ins fliegende Wohnzimmer. Ich sitze ganz hinten im Viererabteil mit dem Professor, Melanie und einem Herrn Ingenieur.

Flugs sind alle Teilnehmer platziert. 


Manuel lässt das Silbertablett mit der Perlage einschweben. Zum Wohl allerseits... auf gute Reise. Noch einmal Richard und Veronika gedrückt, die in Wien das Reisebüro betreuen werden. Türe zu, Rollbahn und in der Luft sind wir. Nun interessiert alle das gleiche. Die Speisekarte. 

Was hat Zauberkünstler Manuel herausgetüftelt. Es ist wieder einmal zuviel aber verlockend. Hauptgang Tafelspitz und dieser beschert mir die erste unterhaltsame Physikstunde. Herr Professor, seines Zeichens Autor des Bestsellers: Die Genussformel - Kulinarische Physik, klärt uns Anwesende über das Geheimnis der Tafelspitzzubereitung auf. Will heissen , dass er nicht trocken wird. Und das sei, wie Kochen ganz allgemein, Physik!!

Das Problem sei die Flüssigkeit, in die das Fleischstück gegeben werde. Diese müsse nämlich die gleich gute Qualität an Salzen enthalten wie das Fleisch selber. Ist dies nicht der Fall, wird das gute Teil sein Salz an das liquide Umfeld abgeben, weil in Fleisch und Flüssigkeit die gleichen Menge an Salzkonzentration physikalisch angestrebt wird. Das bedeuted, dass der spitzige Tafelspitz sein Salz entliesse und damit austrocknete. Dem könne entgegengewirkt werden, indem ein Kalbsknochen vorgängig ausgekocht werde und das Fleisch nun ein Bad nähme in einer Lösung, die gleichwertiges Salz enthalte. Ein Austausch werde so minimiert bzw. spielte keine Rolle, weil beide Salze gleichwertig seien. 

Ich bin beeindruckt.... und amüsiere mich nun mit Tapas à la Manuel und  sie begleiten meine physikalisch - gourmetarisches Wissen auf 10‘000 m Höhe auf das Herrlichste. Dass man zur Zubereitung von Frankfurter Würsteln, eine Wurst als „Opferwurst“ ins Verderben schicken sollte.... davon auf andern Flügen. 


Unter Manuels Obhut schlemmen wir uns durch das Menue. 

Wir sinnieren, was sich denn auf Flügen insgesamt zur Bekochung eignen würde, was die Österreicher auf die Vermutung bringt: „No ä Käsekrainer. Do würds schwierig!!!“Ich verstehe Bahnhof! Alle grinsen:„Ja ja di müessen wir noch trainieren. Das ist eine Wurst mit Käse darin; dieser schmilzt beim Erhitzen, der Käse läuft aus und das Bild, das sich ergibt, hat bewirkt, dass die Wurst den Übernahmen „Eitrige“ trägt. Ach ja ... und das essen wir mit einem Krokodil (Essiggurke), einem Bugel (Brotanschnitt) und einer guten Portion „Gschissenem“

süss oder scharf.  Aber bitte gell, so sagst dem Senf nur an der Wurstbude... aber dort nur so!“

Klar, dass wir uns manchen Schranz in den Bauch lachen, was uns bei den vorderen Plätzen bereits die Betitelung „Viererbande“ einträgt, die nota Bene auch den Eingang zum Edelklosett „kontrolliert“ und die Wartenden mit Sprüchen eindeckt. So verfliegen die Stunden ... ja klar... wie im Flug. Ich bin gerührt: Thomas bringt mir Espresso. Den hatte ich an Bord der letzten Weltreise vermisst. Jetzt haben sie eigens eine Maschine organisiert. Danke!!!

Nun beginnt der Sinkflug. Leider haben unsere Wetter-Iphones recht: Nebel, nass und null Sicht. Tja das ist der Norden. Aber mir ist doch zum Feiern. Sanft setze ich am Flughafen der nördlichsten Stadt der Welt auf. Spitzbergen/Svalbard: Longyearbyen.


Schon das Gefühl... nördlichste Stadt: Meine Entdeckerlaune ist geweckt.

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Kommentare: 4
  • #1

    Werner Weber (Montag, 20 August 2018 09:47)

    Liebe Franziska
    Deine Beiträge, super!!! Ich kann mir das so richtig vorstellen. Nebenbei, von berufswegen, ich war alle 14 Tage in einem Flugzeug, aber ist halt nicht das Gleiche.
    Mich interessiert der Norden ganz speziell. Vor gut 50 Jahren habe ich in Stockholm gearbeitet, spreche immer noch schwedisch und war auch in Honninsvog.

  • #2

    Albert Müller (Montag, 20 August 2018 11:05)

    Wunderbar - deine Reiseberichte - ich muss nun gar nicht in die Arktis; denn alles wird so klar dargestellt - also nach Oesterreich werden wir wieder einmal gehen...
    Weiter so und herzlicher Dank
    Albert vom Rot Grätli

  • #3

    wolf Anita (Montag, 20 August 2018 12:26)

    Das ist Ja wie ein Roman .wenn ich es lese komm ich mir vor alles wäre ich bei euch im Flieger!!!!����
    Liebe Grüße an Christer und Adi eine schöne Reise WÜNSCHT euch Anita

  • #4

    Hansueli Maerki (Montag, 20 August 2018 17:20)

    Tönt vielversprechend und offenbar ein guter Start, sogar als Mitglied der Viererbande. Falls Dir Spitzbergen verborgen bleibt so kennst Du jetzt doch die osmotische Wirkung beim Kochen oder Simmern von Tafelspitz!!