London Lumiere

„Ohne Dich, Maria, hätte ich diese beiden Zaubernächte nie erlebt.“ Nachdem ich meinen Artikel „Fiat Lux“ über Lichtkunst in Dortmund publiziert hatte, hast Du mich auf „London Lumiere“ aufmerksam gemacht. „Im Januar, Francesca, meine Kinder haben das vor 2 Jahren gesehen und waren begeistert.“ Den Link hast Du natürlich auch gleich mitgeschickt, und es war sofort um mich geschehen. 

Die weltbesten Lichtartisten versammelt in der trendy City. Ein Fall für mich.


London einmal anders, Details... andere Perspektiven...Musse... kein Shopping... nicht einmal „Ted Baker“. 

London,  nur für’s Auge!





Bevor ich aber in den Leuchtgenuss abtauchen kann, wird es technisch. „London Visit App“ herunterladen. Ich starte die Karte auf. Gefühlte 50 violette Tropfen poppen auf. Gerade jetzt wird mir die Dimension meiner Unternehmung klar. Jedes einzelne lila Zeichen steht für eine Lichtinstallation. Von King‘s Cross bis South Bank. Von Westminster bis Camden Town. „Das wird eine weit-„läufige“ Angelegenheit.“ 

Deshalb meine Première in einem roten Doppeldecker des ÖV-Netzes. Ich hatte dieses Erlebnis bis jetzt immer gemieden, weil ich nicht wusste, wie der Billettverkauf funktioniert. Dabei ist das so genial einfach: Kreditkarte mit Kontaktfunktion zücken, hinhalten, fertig und nach oben stürmen. Ich habe Glück. Der vorderste Platz vakant. So begebe ich mich auf gemütliche Fahrt zum Trafalgar. 


Es beginnt einzudunkeln. Inzwischen bin ich per pedes zur Westminster Abbey gewandert, und nun stehe ich wieder einmal unter dem LondonEye.

Dieses Gestänge lockt meinen Blick. Und plötzlich scheinen die Strahler auf. Rot, Blau, Gold... 

Ich schaue mich um... ohh all die Menschen. Auch sie haben ein Mobile in der Hand und suchen den Weg zur nächsten Lichtinstallation. Ich lasse mich in dieser friedlichen Masse treiben. Was wird hinter der nächsten Ecke warten? 

Der Dreieckstunnel, durch den ich laufe; die Neonlichter flirren, blinken, rasen durch die Stangen und ich mitten drinn. 

100 Meter weiter: Hochhauskräne schimmern silberrot im Nachtschwarzhimmel 

und die Fassade des Mariott hat sich in Königsblau verwandelt. 

Zurück zum Trafalgar: Hunderte von weissen Ballonen blinken im Takt zu sphärischer Musik vor einem Bunnen im Lavendelkleid und Häusern in warmem Orange. 

Das Indiahaus hat sich die Flagge Indiens umgeworfen. 

Leuchtstoffröhrenmenschen rennen vor altem Klinker, einfach und so wirkungsvoll.

Jetzt noch einen Abstecher nach Soho. In den Gassen schweben riesige Flamingos aus Papiermaché (sie werden von Helfern getragen... ); ein Vogel streckt seinen Hals.... sein schwarzer Schnabel pickt in mein Haar... multinationales Gelächter.


Der Tag endet mit Earl Grey im Cafée Concerto unter lüsternem Lüster.

Gleich vis à vis hat Fortnum & Mason das Thema „Teekrug“ kreativ umgesetzt.

Zwei Fenster auch mittels Leuchtinstallationen. Ich bin angetan.

Tags darauf möchte ich nochmals auf visuell-sinnliche Entdeckungsreise gehen. Die Foodabteilung des Harrods. Da war ich noch nie. 

Einfach fantastisch... verlockend.... schon allein die Verpackungen... Short-Bread in oppulenten Dosen. Verpackung ist wichtig.

Der Duft von süssen Caramel beschwadet die Säulenhalle, durch die ich enthusiastisch wandle, auch wenn ich mich als Exotin fühle. Ich bin unverschleiert! Als natürliche Reaktion regt sich eine gewisse Swissness in mir, und ich möchte gleich mal den Stand der Schweizer Schokolade aufsuchen. Ich drehe eine Runde zwischen  rosenbestückten Goldpagoden.... ich hab die Auslage wohl übersehen... also nochmals...English Fudge, Französische Crème Noisette, sea salted Pralinées in mintgrünen Ovalschachteln.

Da endlich: wunderschöne Truffes zu kunstvollen Pyramiden aufgeschichtet. Sprüngli oder Lindt? Mein Patriotismus fällt in sich zusammen: Belgisch!! Fazit: Schweizer Schoggi existiert im Harrods nicht und beim Käse defiliere ich 10 Meter an Cheddar und bretonischem Weichkäse vorbei bis zwei bescheidene Stücke Emmentaler und Gruyère aufscheinen. Vielleicht wird es nach dem Brexit besser?

Nach diversen Naschereien da und dort, hat nur noch meine Sony Hunger und zwar nach weiteren Motiven. Harrods ein dankbarer Lieferant. Liftfahren ein Erlebnis, 

das ägyptische Treppenhaus: 1001 Nacht 

und als Hommage an London Lumiere: blau illuminierte Rolltreppen. 

Die 2. Nacht der Lichter entführt mich nochmals in Traumwelten. Leistersquare mit einem Märchengarten. 

Fux, Frosch und Hase.... . Wahrscheinlich kennen diese Tiere alle Alice... Alice im Wunderland.

Die App lotst mich in eine Nebenstrasse. Ein farbmutierender Kreis an einer Mauer versammelt gut 200 klickende Kameras vor sich. 

Auch ich muss drücken. Aber das ist gar nichts zu dem, was mich nun am autofreien Piccadilly erwartet. 

Ein Haus mit animiertem Film über die Zeit. Zeiger wandern, Zifferblätter leuchten auf, um im nächsten Moment zu erlöschen.

Aus Lautsprechern ticken die Sekunden, schägt unaufhaltsam der Gong. Grandios. Auch meine Entdeckungsminuten ziehen dahin... ohh, bald Mitternacht. Ich schliesse die Augen. Tanz der Farben.

Die grünschwarze Fassade an der Regentstreet, 

der Schmetterlingsbaum,

die stilisierte Hyazinthe. 

Noch ein Blick in den Katalog... ist das möglich, gebt mir eine Bank; 26’000 Schritte frohlockt der Schrittzähler, aber ich habe nicht die Hälfte der Kunstwerke gesehen. Eine dritte Nacht hätte es noch gebraucht, und diese Erkenntnis macht Lust auf Wiederkommen zum nächsten Festival. 


Der Zauber ist vorbei und real London erwartet mich ganz authentisch: Schneeregen!

Ein Inder, der seine Fahrprüfung wohl beim fliegenden Holländer absolviert hat, prescht mich über die Aquaplanning-Autobahn nach Heathrow. 



Der Flug hat Verspätung. .. und wie freundlich... ein Ted-Baker-Geschäft an der Ecke. Mein Traumköfferchen für kleine Reisen erwartet mich und möchte meine letzten Scheine erobern. Ich kann nicht widerstehen. Also wie war das mit No-Shopping?? 


Aber eigentlich ist ja auch diese Neuerwerbung etwas fürs Auge oder?