Fiat Lux

Hast Du manchmal auch so einen Sekundenmoment. Ein

Bild...da muss ich hin. Es war an einem Abend vor gut 2 Monaten. Dieses in Rot illuminierte Gewölbe mit geheimnisvollem Blick in ein dahinterliegendes Blaues.

Ich war im Internet zum Thema Lichtkunst unterwegs. Die Szenerie zog mich magisch an und der Beschluss gleich gefasst: Francesca will in diesen Raum... gleich wo. Ich hatte als Ergebnis meiner Recherchen eine trendige Grossstadt erwartet: Berlin, London... aber sowas: „Unna“? Es tönt nach finnischem Fichtenwald. Aber der Weg nach Suomi bleibt mir erspart. Unna, ein Städtchen in der Nähe von Dortmund. Hier ist das weltweit einzige Museum für Lichtkunst beheimatet. In den verlassenen Kellereien der Lindenbrauerei haben die bedeutendsten Künstler dieser LightArt strahlende Werke installiert. 


Bahnhof Zug
Bahnhof Zug

Darunter auch James Turell, der unseren Bahnhof Zug in Farblicht getaucht hat. 

Ahhh wie mich das verzücken würde. In der Vorweihnachtszeit... in den dunklen Gängen und Gewölben auf Lichtreise zu gehen... staunen. Die Konsultation der Museumsseite bringt aber noch Spannenderes zu Tage. Just in meinem Zeitfenster findet nur einmal jährlich ein besonderes Event statt. Die „Nacht der Lichtkunst“ mit der Unterversnstaltung: HELLWEG-EIN LICHTWEG. Offenbar hat Lichtkunst in der Region Unna eine neue Tradition begründet und diverse Gemeinden haben ihren Fokus auf solche Werke gesetzt. Daneben werden aber in dieser (und nur in dieser) Nacht auch Gebäude, Brücken, Industriebauten usw. beleuchtet.

Man kann sich für eine von mehreren „Bus-Lichtreisen“ anmelden und wird unter fachkundiger Erklärung zu den einzelnen Schauplätzen geführt. Ich wähle das Ticket „Yellow Marker“. 

Punkt halb 8 hat sich eine illustere Gruppe von Kunstaffinen im

Museum versammelt und Dominic Olbricht, Kunststudent, nimmt uns in Obhut und gleich hinaus in die Nacht

zum 52 m hohen Schornstein der Brauerei, der vom italienischen Künstler Mario Merz mit einer Fabonacci-Zahlenreihe gestaltet wurde. 


Das Prinzip der Fabonacci besteht darin, dass immer 2 voranstehende Zahlen zusammen addiert die nächste ergeben... endlos. 

Die Nacht verspricht eine kalte zu werden, und so ist das Eintreffen des Busses durchaus erwünscht. Die Fahrt geht in die Gemeinde Bönen, an deren Rande sich noch ein ausgedienter Förderturm in den Himmel reckt  (ach wie gut habe ich bei der Führung von Dr. Joachim in der Zeche Zollverein am Mittag gut aufgepasst; siehe Artikel “Schicht in Schacht“). 


Die Lichtinstallation besteht in zwei simplen gelben Linien entlang des Gebäudes, was mich nun nicht in Extase versetzt. Auf dieser riesigen Projektionsfläche hätte ich mir anderes vorstellen können. 

Aufregend finde ich allerdings, dass man per Lift ganz nach oben fahren darf. Nun wird klar, in welchen Dimensionen hier abgebaut wurde. Das riesige Zugrad dominiert den Raum. Die Dachkonstruktion leuchtet in Pink und Grün. 

Der Blick vom luftigen Balkon in die kalten Lichtpunkte des Abends ... Weite... Weite...

Ich möchte wieder zum Fahrstuhl: Da, fast unscheinbar ....in einer Ecke .... eine Bastelarbeit? 100 etwas unbeholfen geformte Gipsmännchen... 84 weisse, der Rest rot. Daneben ein Plakat: (sinngemäss) 


„Unsere Grossväter waren Bergwerksabeiter,

unsere Väter waren Bergwerksarbeiter.... von uns 100 Nachkommen haben 16 eine Stelle... der Rest keine! 

Ein stiller Protest gegen die Schliessung der Zechen.

Meine Gedanken hängen noch bei einer Tasse Glühwein nach.

Dominic ruft zum Aufbruch. Ab in den Car und auf nach Frödenberg, wo im Rathaus der innovative Tourismusdirektor wartet. Er berüsst uns herzlich und

wortreich, zeigt sich begeistert über die neue Fassadengestaltung seines Rathauses und führt uns schliesslich auf den Hauptplatz, wo ein wirklich eindrucksvoller Licht-Wasserbrunnen namens „Blue Lightening“ zu bestaunen ist. Ein mit Panzerglas abgedecktes Rund über das ein Wasserfilm läuft und gleichzeitig werden Wasserbewegungen von unten via Beamer auf die Platte geworfen. Stundenlang könnte ich dem Spiel zusehen... oder ist es der Einstieg für Alice im Wunderland... in eine versteckte Welt? 

Auf den Pflastersteinen glitzern mir kleine Eiskristalle entgegen. Kunst aus Frost. Der warme Bus wartet und ich bin schon gespannt auf die nächste Destination, aber Dominic eröffnet uns, dass es das war und wir nun wieder zum Museum führen. Das finde ich nun doch etwas enttäuschend.

In Anbetracht dessen, was alles (beleuchtete Brücken,  Projektionen an Häusern usw.)  in dieser Nacht geboten wird, hätte mehr drinngelegen. So wäre ein früherer Beginn denkbar; es wird ja schon um 6 Uhr dunkel. 


Aber nun kommt ja mein Höhepunkt: Das Museum, zumindest ein Teil

davon: Durch blau erleuchtete Gänge hinab in die „Katakomben“. Zauber... ohh ... und Surprise hinter jeder Tür . Ein blauer, ich nenne ihn „Ego Raum“. 

An Drähten hängt in verschiedenen Sprachen das Wort ICH. Ein Computer lässt die Worte zu unterschiedlichen Zeiten aufblinken und wieder erlöschen; es entsteht ein Art Kommunikation zwischen den ICHs. 

Ein nächstes Zimmer: Plötzlich stehe ich wie im schwarzen Kosmos. Die weissen Tupfen quirlen intergalaktisch schnell durch das Schwarz


und in der Wechelausstellung „Bright“ staune ich vor der stilisierten Milchstrasse aus Neonröhren. 


Melinda Kubolt, die hübsche Kuratorin mit edler Blässe und burgunderroten Lippen erschliesst die Gedanken des Künstlers. Eine Homage an das Universum, gestaltet mit Leuchtstoffröhren, die bald aus unserem Alltag. verschwinden werden.

Um die Ecke: Ein Spiegelsputnik hängt von der Decke und verleitet mich zum Selfiespiel.

Im alten Gärkeller fliessende Gedanken in gelben Wellen

irgendwie schwebend in diesem burlesquen Farbton. Herrlich sombre hier drinn... 

und jetzt und jetzt endlich: MEIN RAUM: Ich ante portas!! Ich bin ergriffen von der Farbe... der Secretissima...

Ich trete ein, um nicht so schnell wieder zu gehen. .. ja... da musste ich hin!! Leuchtkraft, Energie in höchster Intensität. Ein mich ummantelndes Koralle-Pink. Positiv... motivierend... treibend...an der Decke hellgelbe gebogene Röhrenlichter wie Himmelskörper.

Und ganz hinten das Tor... in ein anderes Jahr? 

Das noch nicht mit Leben erfüllt ist? Noch in zurückhaltender Kühle wartet, auf dass ich es mit Wärme und Erlebtem... mit Begegnungen und Interaktionen ... erwecke?

Der Raum ist pure Inspiratio. Spannend in seiner Leere ebenso wie wenn von Betrachtern besucht, die mit ihren schwarzen Silouetten den Raum ständig ändernd mitgestalten.


Ich habe mich vollgesogen.

Es geht zum Abschluss noch in den Garten, wo der Künstler Phillipp Geist an einem Gebäude, das von James Turell entworfen wurde, eine Videoinstallation gestaltet hat. Das Gebäude ist übrigens ein Skyraum, der zur Dämmerstunde besucht werden kann.Turell gelingt es dort, die Farben der Dämmerung mit Kunstlicht zu verbinden, was zu mystischen Erlebnissen führen soll.


Ich gebe mich nun aber der pulsierenden, rasanten Projektion von Phillipp Geist hin. Raum und Zeit in ständiger Veränderung. 

Die Fassade baut sich laufend auf und ab. Im Farbenwechsel, 

kriechende Linien, die das Gemäuer durchadern... 

sonore Syntisyser-Musik.. die Töne kullern spacig ins

Dunkel... Wie ist doch eines meiner liebsten Mottos? 

Omnia mutantur... nihil interit....alles ist in Veränderung aber nichts (keine Energie) geht verloren. (Ovid).

Mit diesen Leuchtinspirationen, den Gedanken dazu, wünsche ich allen eine warme, begegnungsreiche Adventszeit.


Wie auf meiner Seite „Helfen“ erwähnt, sammle ich mit diesem Blog  auch für „vergessene“ Menschen, die wenig Licht im Leben haben. Ich möchte  das zu Beginn der Kerzenzeit wieder einmal (leise) erwähnen.

Das letzte Jahr kamen 1668 Franken zusammen. Herzlichen Dank. Das Geld fliesst in mir gut bekannte Projekte in Flores Indonesien und Peru. Hilfe zur Selbsthilfe mit

„Solidarität Dritte Welt“.


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