Von Freiheit und Unfreiheit

Tasmanien verfügt über eine Fläche von 1 1/2 der Schweiz. Auf dieser Ausdehnung verteilen sich gerade einmal 500'000 Einwohner. Ein Grossteil der zentralen Gebiete der Insel bildet undurchdringliches Buschland und Wald. Was muss da für eine Freiheit, für ein Platz für Mensch und Tier im Angebot stehen. Faktisch ist das richtig aber gerade Tasmanien hat zum Begriff Freiheit ein ambivalentes Verhältnis. Es geht um den roten Teufel und um Sträflingsdeportationen im 18. Jahrhundert. Beides tummelt sich allgegenwärtig im Selbstverständnis der Einwohner.  

Durch die Abspaltung der Insel vor Millionen von Jahren vom Festland Australien hat sich eine besondere Tierwelt entwickelt. Es sind sehr viele Beuteltiere darunter. So der dachsähnliche Wombat, der Kuola und eben der rote Teufel. Letzterer ist das Nationaltier Tasmaniens. Viel Sagenumwobenes war im Vorfeld zu hören und vor seiner Gefährlichkeit gewarnt worden. Ich habe Gelenheit ein Exemplar zu sehen, obwohl es nachtaktive Tiere sind. 


Eine Art kleines Wildschwein mit roten Ohren und einem Gebiss, dass 10 mal kräftiger zubeissen kann als ein Krokodil. 


Schön geht anders.  

Es ist nicht ratsam, ihnen den Finger hinzustrecken. Sie sind beissfreudig, aber für den Menschen keinesfalls gefährlich, denn sie sind Aasfresser und erfüllen eine wichtige hygienische Funktion. Den teuflischen Namen erhielt das Tier, von den furchterregen Geräuschen, das es ausstossen kann und den roten Ohren. Lebensraum gibt es für die kleinen Frechlinge in den Wäldern genügend und trotzdem treffe ich auf sie in einem Zoo, eingesperrt. 

Eine hochansteckende Krankheit (nur für die Tiere) gefähret den gesamten Bestand. Deshalb müssen viele Tiere eingefangen und untersucht werden. Alle, die sich noch nicht angesteckt haben, werden in andere Gebiete umgesiedelt, aus denen sie nicht in infizierte Regionen entweichen können. Eine Sisyphusarbeit. Während der Quarantänezeit betreut man die Erhaschten in Sanctuaries (eine Art Pflegezoo). Dorthin. bringen die Insulaner auch Tierwaisen oder verletzte Tiere. Sie werden aufgepäppelt und wieder ausgewildert. Ein kleiner Teil der Pflegestation ist öffentlich, um Touristen für die Fauna zu sensibilisieren. 

Wombat "Mareya"
Wombat "Mareya"

So lerne ich neben dem Teufelchen auch das Wombatweibchen "Mareya" ,

"Bred"
"Bred"

den Knuddelkoala "Bred" und hungrige Kängerus kennen, 

derweil der Kakadu  "Fred", der von der Queen zu seinem 100. Geburtstag ein Gratulationsschreiben erhalten hat, mich ankrächzt: " Do u want a cocki?" Keine schlechte Idee, denn Tasmanien hält noch anderes Schwerverdauliches in petto: Seine Geschichte.

"Fred"
"Fred"

Im 18. Jahrhundert kam man in England auf die Idee, Kriminelle oder persona non grata aller Art nach der fernen Insel zu deportieren. Viele Jugentliche waren dabei, die lediglich Streiche begangen hatten. Aber auch Kandidaten für die Todesstrafe waren darunter. Man konnte ihr entgehen, wenn man der Abschiebung nach Tasmanien zustimmte. Mit insgesamt 806 Schiffen wurden unter leidvollen Bedingungen die Menschen unwürdig verfrachtet. 160'000 kamen lebend an. Sie bevölkerten die Insel, verdrängten die indigenen Bewohner. Diese starben 1877 aus. Die meisten Deportierten konnten sich ein neues, wenn auch hartes Leben aufbauen. 10% aber landeten in eigens von den Briten erstellten "Modellgefängnissen", die Isolationshaft wurde dort, in Port Arthur, erfunden. Das Areal bedrückt.

Der wunderschön gestaltete englische Garten kann die Aurea der gelittenen Qualen nicht überdecken. Die Tasmanier hadern noch heute mit ihrer Vergangenheit. Viele wissen. nIcht, von wem sie abstammen, weil die Existenzen im Gefängnis ausgelöscht wurden; Unterlagen, Familendokumente wurden vernichtet, damit man nicht mehr Mensch war. 

Was blieb, war eine entwürdigende Nummer. Nichts mehr als eine Nummer... kein Name... nichts.


So leben die Tasmanier heute in politischer Freiheit aber gefangen in ihrer Identitätssuche. 


Ein stilles Zerwürfnis.

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